Nach der Trauung nur noch ein halber Mann

Nach der Trauung nur noch ein halber Mann

Ich gehöre ja zu den Pfarrern, die gerne auf die Wünsche ihrer Gemeindeglieder eingehen. Ich finde das sehr bereichernd, wenn eine Tauf-, Trau- oder auch Beerdigungsgesellschaft mit eigenen Ideen ankommt. Das macht die Feier doch gleich viel persönlicher. Alphörner bei einer Beerdigung, und das in Unterfranken – kein Thema, wenn der Verstorbene den örtlichen Alphornverein gegründet hat. Freddy Quinn, auch zur Beerdigung – warum auch nicht. Herzschmerztriefende Gedichte zur Trauung, vorgelesen von der in Tränen aufgelösten Mama der Braut – es gibt doch nichts Schöneres. Wirklich.

Doch bei einem Liedwunsch, von dem mir ein Kollege einmal erzählte, hätte ich wohl auch „Stop!“ gesagt. Nicht, weil mir das Lied nicht gefallen würde – aber wollen Sie wirklich „Yesterday“ zur Hochzeit spielen? Da braucht es gar keinen weiteren Kommentar. Lesen Sie selbst. In einer von mir mal schnell angefertigten Übersetzung.

Gestern
schienen alle meine Probleme so weit weg zu sein.
Jetzt sieht es aus, als würden sie bleiben,
oh, ich glaube an gestern.

Plötzlich
bin ich nicht mal halb der Mann, der ich früher war.
Ein Schatten hängt über mir.
Oh, gestern kam plötzlich

Warum sie gehen musste, ich weiß es nicht, sie sagte es nicht.
Ich habe irgend etwas Falsches gesagt, jetzt sehne ich mich nach gestern.

Gestern
war die Liebe so ein einfaches Spiel.
Jetzt brauche ich einen Platz, um mich zu verstecken.
Oh, ich glaube an gestern.

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