Gesangbuch reloaded: göttliches Ratespiel

Gesangbuch reloaded: göttliches Ratespiel

Ach, was lieben wir die Ratespiele. Mit der Moderation von „Wer wird Millionär“ kann man es in Deutschland sogar auf die inoffizielle Vorschlagsliste für das Amt des Bundespräsidenten schaffen. Nun ja, eigentlich ist es ja eher ein Wissensspiel – aber manchmal, wenn der Telefonjoker versagt, das bleibt den Kandidaten gar nichts anderes übrig, als aufzugeben – oder eben einfach ins Blaue hinein zu raten.

Wer allerdings eine gewisse Gesangbuchfestigkeit aufweist, der kann auf göttliche Hilfe hoffen. „Aus meines Herzens Grunde“ heißt das bekannte Lied (EG 443). Eine beschwingte Melodie, die fast schon zum Tanzen einlädt (ok, das kommt nun wirklich auf die Interpretation durch die Organistin/den Organisten an). „Aus meines Herzens Grunde sag ich dir Lob und Dank.“ „Tam tam tam taham tam tam tam tam, tam tam tam tam tam tam.“

Doch wir spulen mal mit zum Tanze zuckenden Füßen vor bis zur sechsten Strophe. Die lässt einen als verzweifelten Wer-wird-Millionär-wenn-er-nicht-vom-Telefonjoker-verlassen-wird-Kandidaten wieder hoffen – und die Ratetätigkeit Gott überlassen. Denn da heißt es: „Gott will ich lassen raten, denn er all Ding vermag.“ Schön: Gott rät für uns. Der müsste es ja eigentlich wissen. Gehen wir mal davon aus, dass sein Wissen größer ist als das der Fragenredaktion und von Günther Jauch zusammen.

Wäre nur noch die Frage: Wie kommt seine Antwort zum Kandidaten? Vielleicht doch als Telefonjoker. Da wäre ja noch die Bibelstelle aus Psalm 145, Vers 18: Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn ernstlich anrufen. Vielleicht weiß die Fragenredaktion die Telefonnummer. Oder wir wählen mal die Telefonseelsorge an. 

weitere Blogs

Die Situation für queere Menschen hat sich weltweit verschlimmert. Auch in Europa haben wir es mit einer strukturellen und zunehmenden Queerfeindlichkeit zu tun. Die Kirchen dürfen hier nicht schweigen, fordert Christian Höller.
Morgen ist der 1.April. Traditionellerweise ein Tag, an dem man sich gegenseitig Streiche spielt. Eine schöne, spaßige Idee, aber ich hab noch eine bessere :-)

Kirchenansicht bei Nacht in der Wiener Votivkirche
Ein berührender und atmosphärisch beeindruckender queerer Kreuzweg mit persönlichen Geschichten, Musik, Tanz und Gebet fand in der Wiener Votivkirche statt. Ein Bericht von Katharina Payk.