Lieferung nach 294 Jahren

Orgelpfeifen aus Meißener Porzellan
Förderverein Frauenkirche Meißen e.V.
Die Orgelrestaurierung in der Meißner Frauenkirche ist fast abgeschlossen. Historische Orgelpfeifen sollen auf "Weißes Gold" treffen: Auf Pfeifen aus Meißener Porzellan.
Orgelbaukunst
Lieferung nach 294 Jahren
Bahn-Verspätung ist nichts dagegen: In Meißen wird eine außergewöhnliche Orgel nach knapp 300 Jahren ausgeliefert

Im Jahre des Herrn 1731 hatte August der Starke, Kurfürst von Sachsen, König von Polen und Großfürst von Litauen, einen außergewöhnlichen Wunsch: Aus dem berühmten Meißener Porzellan sollten zum einen Glocken, zum anderen aber auch eine Orgel hergestellt werden! Wie die wohl klingen würde? Wäre das überhaupt möglich? Denn beim Orgelpfeifenbau kommt es ja auf höchste Genauigkeit an. Das Labium, also dieses schräg zugespitzte Ding, das wir von jeder Blockflöte kennen, muss ganz genau im Luftstrahl positioniert sein. Länge und Wanddicke der Pfeife müssen passen. Alles nicht so einfach, wenn das verwendete Material beim Brennen um ganze 16% schrumpft. Die genaue Stimmung kann man schon eher nachbearbeiten, aber wenn das Labium nicht korrekt sitzt, ist es vorbei mit den schönen Tönen.

Nun ja, kurz gesagt: König von Polen und was noch alles Hin oder Her, die zwei Jahre Lebenszeit, die August zu diesem Zeitpunkt noch vor sich hatte, reichten nicht ganz aus, seinen Wunsch zu erfüllen. Es dauerte, na ja … ein klein wenig länger. Ja, erste Versuche, Orgelpfeifen aus Porzellan herzustellen, gab es damals um 1730 sehr wohl. Überreste dieser Pfeifen hatte der Porzellankünstler Ludwig Zepner schon 1950 im zarten Alter von 19 Jahren auf dem Dachboden der Manufaktur entdeckt – neben weiteren Exemplaren aus dem Jahr 1920.

Die unvollendete Bestellung ließ ihm keine Ruhe. Zepner entwickelte die Porzellanherstellung weiter, um tatsächlich Orgelpfeifen aus Porzellan herstellen zu können. Und endlich, ganze 50 Jahre später, war es so weit: Gemeinsam mit Jehmlich Orgelbau entstand im Jahr 2000 die weltweit erste Orgel mit einem Porzellan-Register. Die steht und erklingt seitdem in der Schauhalle der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meißen.

Doch nun geht es weiter: Noch in diesem Jahr soll es eine erste Kirchenorgel mit einem Porzellan-Register geben. Natürlich, wie könnte es anders sein, in der Stadt des Porzellans, in Meißen. Genauer gesagt: In der Frauenkirche, die tatsächlich auch schon ein Porzellan-Glockenspiel beherbergt. Bis Pfingsten 2025, am 8. Juni, soll die Orgel fertig sein und zum ersten Mal ertönen. Die neuen Pfeifen sollen die historische Jehmlich-Orgel aus den Jahren 1930-1937 ergänzen und zukünftig gemeinsam mit den ältesten in Sachsen erhaltenen Orgelpfeifen erklingen, die noch aus Vorgängern des heutigen Instruments stammen.

Auftragsübergabe an Orgelbau Jehmlich. Im November 2023 wurde der Auftrag für das Porzellanwerk an die Firma Jehmlich und die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meißen in einem kleinen Festakt im Museum der Manufaktur übergeben.

Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Genau wie August der Starke kann auch Ludwig Zepner diesen würdigen Moment nicht mehr miterleben. Doch die gemeinsame Erfindung dieser zwei Menschen, die Porzellan-Orgelpfeife, wird hoffentlich noch Generationen von Menschen erfreuen.

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