„Nur Mittwochnachmittag!“ „Ein Mal im Monat am Samstag!“ „Eine Projektwoche!“ Bei der Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden stoßen viele verschiedene Konzepte aufeinander. Intern kann es da durchaus auch mal hitzig werden, wenn sich Kolleg:innen nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können.
Und das geht schon ganz schön lange so: Ich erinnere mich an lebhafte Diskussionen Ende der 90er Jahre, als die Augsburger es wagten, dem stark auf die eigene Gemeinde und die dortige Pfarrperson bezogenen Konfiunterricht den Rücken zu kehren und ein gemeinsames „Konfi-Camp“ anzubieten. „Da lernen die doch ihren Pfarrer gar nicht mehr kennen!“ – das war wirklich ein Argument, das damals mit großer Verve vorgetragen wurde und das auch heute noch gelegentlich zu hören ist, wenn auch vielleicht nicht mehr so häufig und so laut.
Die Konfi-Zahlen in den Gemeinden sind deutlich zurückgegangen. Mit drei Konfis macht es dann auch, ehrlich gesagt, weniger Spaß als mit 20. Logisch, dass sich Gemeinden zusammenschließen und gemeinsam zur Konfirmation einladen – oder jedenfalls die Konfiarbeit („Unterricht“ sagen wir auch eher nicht mehr) gemeinsam gestalten. Oder sie machen es wie bei den Schweinfurter Innenstadtgemeinden, wo das Problem mit unterschiedlichen Konzepten ganz pragmatisch gelöst wurde: Drei Personen bieten drei ganz verschiedene Kurse an und die Jugendlichen wählen das aus, was ihnen am meisten zusagt.
In vielen Regionen gibt es inzwischen so was Ähnliches wie das Augsburger Konfi-Camp, das mittlerweile mit etwa 500 Konfis jährlich in zwei aufeinanderfolgenden Camps in Italien stattfindet
Aber heute sehen wir mal genau in die andere Richtung: in die Niederlande! Seit 20 Jahren gibt es auch dort „die Flotte“, wie sie sich einfach nennt. Eine Segelfreizeit auf dem IJsselmeer mit etwa 15 Segelschiffen, mit gemeinsamen Aktionen am Land und eben mit Segeln auf dem Meer. Viele ehrenamtliche Mitarbeitende sind dabei, pro Schiff außerdem mindestens ein Skipper, der die Jugendlichen anleitet. Denn nur, wenn alle mit anpacken, kann die Segeltour gelingen. Ob Segel setzen und auch wieder einpacken, Kochen oder Putzen: Alles ist in den Händen der Jugendlichen. Ohne sie geht’s nicht. Der Skipper oder die Skipperin kann höchstens den normalerweise vorhandenen Motor anschmeißen und das Schiff in den nächsten Hafen steuern.
Natürlich gibt es neben dem Segeln auch Gespräche über Gott und die Welt. Andachten, Gottesdienste, gemeinsame Abendmahlsfeier. Gemeinde auf Zeit. Kleine Gemeinschaften auf den Schiffen innerhalb einer großen gemeinsamen Aktion.
Dass so etwas funktionieren kann, habe ich vor über 30 Jahren selbst erlebt. Denn in kleinerem Rahmen gab es schon damals Jugendfreizeiten nach diesem Konzept. Aus dem weit entfernten Mittelfranken reisten wir nach Holland, gemeinsam mit einem jungen segelbegeisterten Pfarrer. Keine Konfis mehr, schon etwas älter, ich selbst war über 20. Mit zwei Schiffen waren wir zehn Tage unterwegs – und auf dem anderen Schiff war eine junge Frau untergebracht, mit der ich nun schon über 30 Jahre verheiratet bin.
Die Konfis müssen ja nicht gleich ihre Partner:in fürs Leben finden. Ist vielleicht etwas früh dafür, wenn auch nicht ausgeschlossen. Aber in jedem Fall: So eine gemeinsame Segelfreizeit ist ein Erlebnis, das zusammenschweißt. Wo Freundschaften wachsen können. So wird auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten gestärkt. Alles Gute und viel Segen für die zwanzigste „Flotte“ – und hoffentlich noch viele kommende. Und dann später eine schöne und gelingende Konfirmation!