Die verbreitete Meinung, dass die Kirche in erster Linie reden und die Diakonie handeln müsse, "das ist Quatsch", sagte der Rektor der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld am Dienstag vor der Augsburg tagenden bayerischen Landessynode. Stattdessen sei die Kirche gefordert, sich selbst als Diakonie neu zu entdecken - und umgekehrt. Diakonie und Kirche müssten als Einheit erfahrbar werden.
Es sei zum Beispiel nicht haltbar, dass die Verkündigung in Form von Predigt, Seelsorge oder Bildung Kernauftrag der Kirche sei, sagte der Professor für Praktische Theologie und Diakoniewissenschaft. Denn: Auch das praktische soziale Handeln in der Diakonie, das über das Wort hinausgehen, seien Formen von Verkündigung. An der Diakonie werde deutlich, was die Kirche eigentlich ist: "Sie umfasst Welt, Kirche, Menschsein und Christsein und nicht nur einen oder einzelne Teile davon."
Für die Kirche sei das diakonische Profil wichtig, sagte Schmidt. Denn unter Konfessionslosen sei Diakonie die einzige kirchliche Form, die für sie Anerkennung verdiene. Nur wenige verstünden Diakonie als Sozialkompetenz der Kirche. Im Zentrum müsse daher immer das "wahre Menschsein" stehen - und zwar nicht der vordergründig gesunde Mensch mit glatten Biografien, sondern der Mensch in all seiner Verletzlichkeit nach dem Vorbild Jesu. Dieses Prinzip des "Ecce homo" ("Siehe, der Mensch") mache Kirche und Diakonie aus.
Die Landessynode ist das Parlament der mehr als zwei Millionen Protestanten in Bayern. Die Frühjahrstagung dauert bis Donnerstag (3. April) und hat das Schwerpunktthema "Diakonische Kirche - kirchliche Diakonie".