Wegen seiner Impulse für den Umwelt- und Klimaschutz wird Bartholomäus I. auch als "Grüner Patriarch" bezeichnet. Er wurde am 29. Februar 1940 - also in einem Schaltjahr - unter dem bürgerlichen Namen Dimitrios Archondonis auf der heute zur Türkei gehörenden Ägäisinsel Imbros geboren.
Seit 1991 ist Bartholomäus Ökumenischer Patriarch von Konstantinopel mit Sitz in Istanbul und in dieser Funktion der 270. Nachfolger des Apostels Andreas, auf den sich der Überlieferung zufolge die Ostkirche gründet. Der sieben Sprachen sprechende Bartholomäus I. gilt zudem als Vermittler zwischen Kirche und Welt.
Der Klimawandel sei "die größte Bedrohung für unseren Planeten", sagte Bartholomäus I. 2022 auf der 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe in einer Videobotschaft. Er rief vor allem reiche Länder zu einem nachhaltigen, maßvollen und bescheidenen Lebensstil auf.
Bartholomäus I. wurde bisher von vielen Staats- und Regierungschefs empfangen und hielt Reden unter anderem vor dem Europäischen Parlament, dem Europarat, der Unesco sowie dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Der Patriarch traf zudem mit den Päpsten Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus zusammen.
Engagement für Flüchtlinge
Papst Franziskus hatte 2016 zusammen mit Bartholomäus I. Flüchtlinge auf Lesbos besucht, um auf die Situation in den Lagern aufmerksam zu machen. Bartholomäus engagiert sich zudem in den internationalen Ökumene-Organisationen wie Weltkirchenrat und der Konferenz Europäischer Kirchen.
Bartholomäus wird allerdings nicht mehr von allen orthodoxen Christen uneingeschränkt als Ehrenoberhaupt anerkannt. Die innerorthodoxe Ökumene ist schon lange gestört, auch durch die Gründung der neuen Orthodoxen Kirche der Ukraine (OKU). Bartholomäus I. hatte der aus der Fusion von zwei bis dahin nicht anerkannten orthodoxen Kirchen entstandenen neuen Kirche Anfang 2019 die Selbstständigkeit (Autokephalie) zuerkannt. Dieser Schritt wurde in der Orthodoxie als voreilig, beziehungsweise ihm in dieser Weise nicht zustehend kritisiert.
Konflikt mit Moskau
Das Moskauer Patriarchat hatte die Gemeinschaft mit Konstantinopel bereits 2018 abgebrochen. Der Konflikt zwischen Moskau und Konstantinopel geht bereits auf das 20. Jahrhundert zurück und hat sich nach dem russischen Überfall auf die Ukraine verstärkt. Patriarch Kyrill, Oberhaupt der Russischen Orthodoxen Kirche, heißt diesen Krieg nicht nur gut, sondern legitimiert ihn mit theologischen Argumenten.
Der Ehrenprimat des Patriarchats von Konstantinopel wird Ostkirchenexperten zufolge im Grundsatz anerkannt, aber die konkrete Weise, wie Bartholomäus ihn ausübt, wird von Moskau infrage gestellt. Bartholomäus selbst sieht sich nach wie vor als Ehrenoberhaupt aller Orthodoxen, einschließlich der Russen.
Zur Orthodoxie gehören jene christlichen Kirchen, die in der östlichen Hälfte des Römischen Reiches entstanden sind. Aufgrund des Entstehungsgebietes werden sie auch "Ostkirchen" genannt. Nach jahrhundertelangem Streit um theologische, politische und kulturelle Fragen war die Spaltung zwischen einem östlichen und einem westlichen Zweig des Christentums im 14./15. Jahrhundert endgültig besiegelt.