TV-Tipp des Tages: "Der Doc und die Hexe" (3sat)

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TV-Tipp des Tages: "Der Doc und die Hexe" (3sat)
TV-Tipp des Tages: "Der Doc und die Hexe", 13. August, 20.15 Uhr auf 3sat
Die im Fernen Osten in traditioneller chinesischer Medizin ausgebildete Internistin Sophie Schöner soll sich in seiner Abteilung um all jene Fälle kümmern, bei denen die Schulmedizin mit ihrem Latein am Ende ist. Dr. Wu, dessen Ideale im Lauf der Jahre einer standesgemäßen Arroganz weichen mussten, ist die Kollegin vom ersten Tag an ein Dorn im Auge.

Letztes Jahr im Herbst gab’s die Fortsetzung, nun wiederholt 3sat noch mal die ersten Filme mit dem ungleichen medizinischen Gespann, das nicht mit-, aber auch nicht ohneeinander kann. Die Parallelen sind unverkennbar. Vor einigen Jahren sorgte die Autorin und Produzentin Gabriela Sperl mit „Helen, Fred und Ted" für eine damals ganz neue Farbe im Fernsehen: Die episodisch erzählten Erlebnisse dreier Psychologen bescherten permanente Wechselbäder der Gefühle. Der 2006 mit wenig Erfolg ausgestrahlte ARD-Zweiteiler machte allerdings einen etwas unausgegorenen Eindruck, der Film wirkte eher wie ein Versprechen; und 2010 ist es vom ZDF eingelöst worden. „Der Doc und die Hexe" (Idee und Produktion: Gabriela Sperl) ist zwar mitunter ähnlich sprunghaft erzählt, wirkt  aber insgesamt ungleich homogener. Hauptfiguren sind diesmal Ärzte, und es ist wirklich schade, dass die Geschichte bloß 180 Minuten lang dauert. Das ZDF hätte nicht bloß das sieche Genre „Krankenhausserie" reanimieren können; „Der Doc und die Hexe" hätte auch das Zeug zur ersten wirklich intelligenten und anspruchsvollen Serie seit „Kanzleramt".

Alternative Heilmethoden

Schon allein die Konfrontation im Zentrum der Handlung ist der pure Komödienstoff. Star-Chirurg Hans Wunderlich (Dominik Raacke), von Freund und Feind bloß Dr. Wu genannt, bekommt Verstärkung: Die im Fernen Osten in traditioneller chinesischer Medizin ausgebildete Internistin Sophie Schöner (Christiane Paul) soll sich in seiner Abteilung um all jene Fälle kümmern, bei denen die Schulmedizin mit ihrem Latein am Ende ist. Dr. Wu, dessen Ideale im Lauf der Jahre einer standesgemäßen Arroganz weichen mussten, ist die Kollegin vom ersten Tag an ein Dorn im Auge. Und das nicht bloß, weil ihr sein Zweitzimmer zugewiesen wird, das er als Schlafgemach und Fitness-Raum zu nutzen pflegte; er hält auch nicht viel von den alternativen Heilmethoden. Außerdem ist Sophie viel zu hübsch für eine Kräuterhexe. Und da sie zudem das letzte Wort zu haben pflegt, enden ihre Auseinandersetzungen auch schon mal mit innigen Küssen; und manchmal nicht nur das. Dummerweise ist Dr. Wu verheiratet, und als Sophie seinem asthmatischen Sohn das Leben rettet, will ausgerechnet Wunderlichs Gattin (Esther Schweins) die beiden überreden, eine Gemeinschaftspraxis zu eröffnen.

Die beiden Filme (Regie: Vivian Naefe) haben bei weitem nicht das Tempo der RTL-Comedyserie „Doctor’s Diary", aber die Dialogduelle (Buch: Gerlinde Wolf und Harald Göckeritz) können sich hören lassen. Gerade zwischen den Ärzten fliegen die medizinisch verbrämten Gehässigkeiten nur so hin und her, zumal Intrigen, Eifersucht und beruflicher Ehrgeiz das Wohl der Patienten mitunter zur Nebensache werden lassen. Für die Darsteller muss das Drehbuch ein Fest gewesen sein. Während Christiane Paul mitunter etwas überreagiert, was der Glaubwürdigkeit der Figur nicht immer gut tut, ist Raacke als Gott in Weiß, für den die Schulmedizin ein Dogma darstellt, schlicht großartig. Die Nebenfiguren sind nicht minder treffend besetzt und außerdem mehr als bloß Stichwortgeber. Alle haben ihre eigene Geschichte, was den Stoff erst recht serientauglich machen würde: Elena Uhlig als Stiftungsrepräsentantin, die ein Verhältnis mit Dr. Wu hat; Wotan Wilke Möhring als Oberarzt, der gern Chef werden würde; Katrin Saß als überbehütende Mutter Sophies, die es immer viel zu gut meint).

Außerdem hat die Handlung weitaus mehr zu bieten also bloß den ständigen Kampf zwischen Systemen und Geschlechtern. Die Krankengeschichten sind nicht minder interessant, die Bilder aus dem Operationssaal in ihrem betonten Realismus allerdings ziemlich unappetitlich; wer nicht hinschauen kann, wenn andere mit Nadeln gepiekst werden, muss dauernd weggucken. Trotzdem würde man gern mehr sehen, zumindest von Dr. Wu und Sophie Schöner: weil „Der Doc und die Hexe" fast so etwas wie „Emergency Room" plus „Doctor’s Diary" ist. Teil zwei zeigt 3sat am Donnerstag.