Berlin (epd). Die soziale Schuldnerberatung gerät nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung (BAG-SB) finanziell immer mehr unter Druck. Ein weiterer Stellenabbau in den Beratungsstellen erhöhe das Risiko, dass finanziell klamme Bürgerinnen und Bürger keine kompetente Hilfe erhielten, sagte Geschäftsführerin Ines Moers dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Das bedeutet ein erhöhtes Risiko für Mahnungen, Stromsperren oder Mietrückstände, die durch rechtzeitige Beratung vermeidbar wären.“
Moers rief die künftige Bundesregierung auf, für eine verlässliche Finanzierung des bestehenden Beratungsangebots zu sorgen. Und sie nahm auch die Bundesländer in die Pflicht: „Aus unserer Mitgliedschaft erhalten wir vermehrt Hinweise, dass einzelne Stellen abgebaut oder nicht nachbesetzt werden.“ In Mecklenburg-Vorpommern seien im vergangenen Jahr sogar Beratungsstellen geschlossen worden.
Bereits heute müssten Bürger, die sich in finanzieller Not befinden, in vielen Regionen Wochen oder gar Monate auf einen Beratungstermin warten. Zugleich steige die Komplexität der Beratungsfälle deutlich: „Ratsuchende kommen häufig mit mehreren Problemen gleichzeitig - etwa Zahlungsrückständen, gesundheitlichen Einschränkungen oder familiären Krisen“, erklärte die Expertin. Gesundheitliche Probleme seien inzwischen der häufigste Überschuldungsgrund.
Moers kritisierte zudem, dass die Schuldnerberatung bundesweit uneinheitlich organisiert sei. Es gebe große Unterschiede bei Zuständigkeiten, Finanzierungsmodellen und Zugangswegen. „Wir fordern deshalb klare und langfristige Rahmenbedingungen, die bundesweit Planungssicherheit schaffen. Nur so kann gewährleistet werden, dass Ratsuchende überall Zugang zu qualifizierter und nachhaltiger Beratung haben“, führte die Vertreterin des Fachverbandes aus.
An Union und SPD appellierte sie: „Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten - etwa bei Stellenabbau in großen Unternehmen - dürfen überschuldete Haushalte nicht allein gelassen werden. Die soziale Schuldenberatung stabilisiert frühzeitig und vermeidet soziale Folgekosten.“