Genf (epd). Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat außergerichtliche Tötungen von Zivilisten im Sudan verurteilt. Verantwortlich für die Exekutionen in der Hauptstadt Khartum seien Berichten zufolge Angehörige der sudanesischen Armee und deren Verbündete, teile Türk am Donnerstag in Genf mit. Die Opfer seien offenbar verdächtigt worden, mit der gegnerischen Miliz „Rapid Support Forces“ (RSF) zusammengearbeitet zu haben. Die Armee und die paramilitärische RSF bekriegen sich seit zwei Jahren. Das Militär eroberte die Hauptstadt Ende März von den RSF zurück.
Türk forderte die Befehlshaber der sudanesischen Streitkräfte auf, die Tötungen sofort zu beenden. Die Täter und ihre Auftraggeber müssten zur Rechenschaft gezogen werden, verlangte er. Das UN-Hochkommissariat habe mehrere Videos geprüft, die offenbar im Süden und Osten Khartums gedreht worden seien. Sie hätten bewaffnete Männer in Uniform und in Zivil gezeigt, die Zivilisten kaltblütig hingerichtet hätten. In einigen Videos hätten die Täter erklärt, dass sie Unterstützer der RSF bestraften.
Vor zwei Jahren eskalierte ein Machtkampf zwischen der sudanesischen Armee und den RSF zu einem brutalen Krieg, der eine der derzeit schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit verursacht hat. Zehntausende Menschen wurden seither getötet, mehr als zwölf Millionen sind den Vereinten Nationen zufolge auf der Flucht. Fast 25 Millionen leiden nach UN-Angaben unter akutem Hunger, das ist etwa die Hälfte der Bevölkerung. Beiden Kriegsparteien werden gravierende Verbrechen vorgeworfen, darunter die Verhinderung humanitärer Hilfe.