Historiker: "Bonhoeffer war kein James Bond"

Historiker: "Bonhoeffer war kein James Bond"
03.04.2025
epd
epd-Gespräch: Franziska Hein

Berlin (epd). Der Historiker Johannes Tuchel lehnt es ab, dass nationalistische Christen vor allem in den USA den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) als christlichen Actionhelden vereinnahmen. „Bonhoeffer ist kein James Bond gewesen“, sagte der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er stehe für einen aufrechten und mutigen Christen in der Zeit der Diktatur. „Man kann ihn aber nicht für irgendetwas vereinnahmen.“ Am 9. April 1945, vor 80 Jahren, wurde Bonhoeffer von den Nationalsozialisten ermordet.

Als Theologe habe sich Bonhoeffer schon in den 1920er Jahren für die Schwachen in der Gesellschaft eingesetzt und sich 1933 klar gegen den Antisemitismus der Nationalsozialisten positioniert. Bonhoeffer stehe als Theologe für Freiheit, für Unabhängigkeit und für Toleranz. Er stehe für Verständigung und den Wunsch nach einer starken, friedlichen Welt ohne Diktatoren und ohne autoritäres Denken.

„Das ist ein ganz anderes Bild als das, das die fundamentalistischen Christen in den Vereinigten Staaten teilweise über Bonhoeffer entwickeln und was auch der Film, der jetzt in deutschen Kinos angelaufen ist, transportieren will“, sagte Tuchel. In dem Kinofilm, der in den USA von einem evangelikalen Filmverleih vertrieben wurde, wird Bonhoeffer zum Einzelkämpfer gegen das ultimative Böse stilisiert, der ohne Zweifel und Skrupel gegen falsche staatliche Macht agiert. Der Film enthält zudem viele historische Fehler.

Die Instrumentalisierung beobachte er vor allem im nordamerikanischen Raum, weil es in Deutschland diese Form der religiösen Rechten nicht in dieser Stärke gebe, sagte Tuchel. „Man versucht, mit dem Namen Bonhoeffer und mit seinen Aktivitäten im Widerstand gegen Hitler Kapital für die eigene politische Agenda zu gewinnen. Das ist ein klarer Missbrauch der Persönlichkeit und auch des theologischen Denkens von Dietrich Bonhoeffer.“

Wer seine Schriften und Briefe lese, erkenne einen, der mit sich ringe und der nach dem richtigen Weg suche. „Das Spannende an Bonhoeffer ist, dass er sein theologisches Konzept, weswegen er nach 1945 so stark rezipiert worden ist, erst in seiner Haft ab 1943 entwickelt hat.“ Er habe nicht von sich behauptet, im Besitz der klaren und eindeutigen Wahrheit zu sein. Bonhoeffer habe versucht, zu einem christlichen Standpunkt zu kommen, der aber damals nicht von der Amtskirche geteilt worden sei.