Osnabrück, Berlin (epd). In der Debatte um eine neue Form der Wehrpflicht hält die Fraktionschefin von Bündnis90/Die Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, eine Gleichbehandlung von Frauen und Männern für geboten. „Ich finde grundsätzlich, dass alle gesellschaftlichen Aufgaben gleichberechtigt verteilt werden sollten“, sagte sie der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Samstag). Der Präsident des Reservistenverbands, Patrick Sensburg (CDU), kritisierte das Wehrdienst-Modell von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD).
Dröge sagte weiter: „Gleichzeitig müssen wir dann aber auch die Gleichstellung in allen anderen Bereichen schaffen, etwa für die Familien und Pflegezeit.“ Grundsätzlich hielten die Grünen das neue Wehrdienst-Modell von Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) für einen gangbaren Weg. Es sieht vor, einen Fragebogen über die Bereitschaft zur Musterung an junge Menschen zu verschicken, wobei die Männer zu einer Antwort verpflichtet sind. „Perspektivisch kann ich mir das auch für Frauen vorstellen“, sagte Dröge.
Der Präsident des Reservistenverbands, Patrick Sensburg (CDU), hingegen kritisierte Pistorius, dessen Wehrdienst-Modell im ersten Jahr 5.000 freiwillige Wehrdienstleistende einplant. Das sei eine „viel zu kleine Zahl“, sagte Sensburg dem Nachrichtenportal, „t-online“ (Freitag) in Berlin. Die Personalnot sei das größte Problem der Bundeswehr.
Er appellierte zudem an die Politik, Voraussetzungen für eine starke Reserve zu schaffen. Um Deutschland in der Fläche zu verteidigen, bräuchte man 300.000 bis 350.000 Soldaten, sagte Sensburg. „Die Zahl der Reservisten müsste um das Dreifache sein, also rund knapp eine Million“, ergänzte er.
Den Berechnungen der Nato zufolge sterben in einem möglichen Krieg an der Ostflanke 5.000 Soldaten täglich. „Das wäre bei der Bundeswehr die aktive Truppe. Danach kommen Reservisten, wenn es sie denn gibt“, sagte Sensburg. Deutschland hatte die Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 ausgesetzt. Seitdem ist der Wehrdienst freiwillig.