Konferenz der Militärseelsorge: Resilienz ist echte Zeitenwende

Konferenz der Militärseelsorge: Resilienz ist echte Zeitenwende
Die Zeitenwende im Militär wirkt sich auch auf die Seelsorge aus. Die evangelischen Militärgeistlichen wollen sich frühzeitig auf den Ernstfall vorbereiten - und brauchen dafür Unterstützung aus der Breite der Gesellschaft.

Nürnberg (epd). Um für den Verteidigungsfall gut vorbereitet zu sein, braucht es nicht nur eine gut ausgestattete Bundeswehr, sondern auch eine resiliente Gesellschaft. Darin waren sich der Militärexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr in München und der Militärbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bernhard Felmberg, am Mittwoch einig. Resilienz bedeute in diesem Fall, „sich bewusst zu werden, was eigentlich gerade passiert und was verteidigt werden muss“, sagte Masala auf der Gesamtkonferenz Evangelischer Militärgeistlicher in Nürnberg.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine sei weit mehr als ein Kampf um ein Territorium. Die Politik und jeder einzelne Mensch müssten erkennen, „dass wir in Zeiten leben, in denen es um die Weltordnung und die Demokratie geht“, betonte der Politikwissenschaftler. Das Sondervermögen für die Bundeswehr sei keine Zeitenwende, sondern eine „notwendige nachholende Entwicklung“. Die eigentliche Zeitenwende stehe noch bevor: „Die Gesellschaft widerstandsfähiger zu machen gegenüber den Herausforderungen der nächsten fünf bis zehn Jahre.“ Zwar sei die Verteidigung die Aufgabe des Staates und damit der Bundeswehr, jedoch könne diese ihren Auftrag nicht erfüllen, „wenn nicht jeder und jede Einzelne die Bereitschaft zur Resilienz zeigt“.

Um den Menschen zu vermitteln, dass es in diesen Zeiten um das Aufrechterhalten der liberalen Weltordnung geht, müssten dies nicht nur mehr Politikerinnen und Politiker kommunizieren, sondern auch gesellschaftliche Akteure wie die Kirchen. Die Militärseelsorge, sagte Masala, sei außerdem ein wichtiges Werkzeug, um diese Resilienz auch bei den einzelnen Soldatinnen und Soldaten herzustellen.

Militärbischof Felmberg betonte bei einem Pressegespräch, dass er im Verteidigungsfall gut vorbereitet und handlungsfähig sein will. „Ich habe da aus der Coronakrise für mich meine Schlüsse gezogen“, sagte der Theologe. Die evangelische Kirche sei während der Pandemie „gefühlt nicht einen Zentimeter weiter“ gewesen als andere gesellschaftliche Organisationen. „Das passiert mir jedenfalls für diesen Bereich kein zweites Mal.“

Ein zentraler Punkt der Konferenz sei daher das „Rahmenkonzept Seelsorge und Akutintervention im Spannungs- und Bündnisfall“. Dieses werde gerade in Abstimmung mit katholischen und jüdischen Kolleginnen und Kollegen aus der Militärseelsorge erarbeitet und soll ein vernetztes und multiprofessionelles Handeln der Seelsorger im Verteidigungsfall ermöglichen.

Er habe die Hoffnung, dass das ökumenische Rahmenkonzept im Juni in die Kirchenkonferenz der EKD eingebracht werden kann, sagte Felmberg. Sei dies erfolgreich verlaufen, müsse aus dem Rahmenkonzept ein konkretes Handlungskonzept entstehen, das bis auf die Ebene von einzelnen Kirchengemeinden reiche. „Da erwarte ich, dass es ein intensiver und längerer Prozess ist“, so der Militärbischof. Er merke aber in Gesprächen mit den Landeskirchen, „dass bei aller Zurückhaltung, über diese Dinge nachdenken zu wollen, es trotzdem eine innere Bereitschaft gibt, sich diesen Fragen zu stellen“.