Jesuiten Pater Alt sitzt im Gefängnis

Jesuitenpater Jörg Alt vor der Tür der Justizvollzugsanstalt Nürnberg.
Daniel Läb/dpa/Daniel Läb
Kein Aprilscherz: Pater Jörg Alt nutzte am Dienstag den Moment vor der Tür der Haftanstalt Nürnberg, um erneut auf auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam zu machen.
Wegen Klimaprotest im Knast
Jesuiten Pater Alt sitzt im Gefängnis
Mit dem Aufruf an die künftige Regierung, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen, ist der Jesuitenpater Jörg Alt am Dienstag ins Gefängnis gegangen. Er will auch ein Sprachrohr für den Globalen Süden sein.

Der Jesuitenpater Jörg Alt hat am Dienstag eine 25-tägige Gefängnisstrafe angetreten. Alt betrat am Dienstagmittag um fünf Minuten vor zwölf Uhr die Justizvollzugsanstalt Nürnberg. Er nutzte seinen Haftantritt für eine "persönliche Erklärung" an die Politikerinnen und Politiker, die derzeit in Berlin den Koalitionsvertrag verhandeln.

Bei der Klimapolitik sollten sie auf die Wissenschaft hören und "der deutschen Bevölkerung die Wahrheit über den Ernst der Lage und die Größe der Herausforderungen, die vor uns liegen" sagen. Er warnte davor, Mittel für die armen Länder im Globalen Süden zu kürzen, die diese für Armutsbekämpfung und Anpassung an den Klimawandel benötigten.

Alt verbüßt eine Ersatzfreiheitsstrafe, weil er eine Geldstrafe nicht bezahlt hat, zu der er für die Beteiligung an einer Straßenblockade im August 2022 vor dem Nürnberger Hauptbahnhof verurteilt worden war. Alt hatte sich mit anderen Streikenden auf eine Kreuzung gesetzt und angeklebt. Mit der Aktion habe er den Blick auf die Gefahren des Klimawandels und die Notwendigkeit einer Verkehrswende lenken wollen, sagte Alt dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Dienstag.

Jörg Alt bei der Protestaktion im Oktober 2022. Der Appell, den er mit initiiert hat, richtete sich auch an alle katholischen Theolog:innen. Angesichts des Notstands der Erde sei es nicht mehr möglich, Theologie zu betreiben, die diese Notlage nicht als ihre zentrale Herausforderung begreift, hieß es in dem Papier, das Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschrieben haben.

Er hoffe, "dass die Menschen ernst nehmen und sich Gedanken machen, warum ein katholischer Priester ins Gefängnis geht", sagte der 63-Jährige. Er wolle seine Person nicht in den Mittelpunkt stellen, sondern die Defizite der Klimapolitik anprangern. Mit seinen Aktionen sei er auch Sprachrohr des vom Klimawandel besonders betroffenen Globalen Südens, erklärte der Pater.

Ein Leben für die Menschenrechte

In den Verfahren gegen den Priester habe das Gericht selbst anerkannt, "dass der Klimawandel für uns eine Gefahr darstellt", erinnerte Professor Wolfgang Lucht. Der Experte ist beruflich als Leiter der Erdsystemanalyse beim Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung tätig, Mitglied des Sachverständigenrats für Umweltfragen der Wissenschaftler und unterstützt Jörg Alt. Der Priester sei ein Mensch, der sich schon sein Leben lang für Menschenrechte einsetze und auf die globalen Umweltveränderungen und ihre Folgen aufmerksam mache, sagte Lucht.

Er warnte, dass die Auswirkungen des Klimawandels existenzbedrohend groß seien und "wir die Erde als Ganzes destabilisieren". Durch die Folgen des Klimawandels auf die Ökosysteme würden vielen Menschen die Lebensgrundlagen entzogen. In Zukunft würden immer weniger Erdregionen bewohnbar sein. "Die Klimakatastrophe, sie kommt erst", sagte Lucht, aber die Regierungen der Welt handelten viel zu langsam. Er forderte von Politikerinnen und Politikern, die Dringlichkeit transparent zu kommunizieren, denn die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Wissenschaft irre, sei "nahe Null".

 

Aktionen des zivilen Ungehorsams, mit denen Gesetze überschritten würden, hält Lucht in einer Demokratie für geboten. Er sehe aber eine Kriminalisierung der Klimabewegung mit größter Sorge, sagte er. "Es ist völlig unverhältnismäßig, das Herbeiführen eines alltäglichen Staus als einen kriminellen Akt zu verurteilen." Wer sich mit seinem menschlichen Körper vor ein Auto setze, zeige glaubwürdig, "dass wir mit Vollgas an die Wand fahren".

Das Handeln von Pater Jörg Alt sei ein Vorbild für alle, die um die Dramatik der Klimakrise wüssten und nicht tatenlos bleiben wollten, stellte am Dienstag der Linken-Bundestagsabgeordnete Lorenz Gösta Beutin fest. In Deutschland würden "nicht die Klimakiller zur Rechenschaft gezogen, sondern die, die alles dran setzen, die Lebensgrundlagen der Menschheit zu erhalten".