London, Berlin (epd). Entwicklungsexpertin Mikaela Gavas warnt vor einer voreiligen Auflösung des deutschen Entwicklungsministeriums. „Für viele Entwicklungsländer sähe das so aus, als würde Deutschland die USA kopieren und zu einer Art ‚Germany first‘ zurückkehren wollen“, sagte die Geschäftsführerin des US-Thinktanks Center for Global Development (CGD) dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Eine Auflösung des Entwicklungsministeriums würde Deutschlands Ansehen in der Welt enorm schaden.“
Die Union plädiert in den derzeit laufenden Koalitionsverhandlungen mit der SPD für eine Integration des Bundesentwicklungsministeriums ins Auswärtige Amt. Die SPD, die derzeit auch die geschäftsführende Entwicklungsministerin Svenja Schulze stellt, hält an dem Ministerium fest.
In anderen Ländern hat sich eine solche Zusammenlegung Gavas zufolge negativ ausgewirkt. So hätten die vom damaligen britischen Premier Boris Johnson 2020 angeordnete Fusion des Außen- mit dem Entwicklungsministerium sowie Kürzungen der Mittel Großbritanniens Ansehen massiv geschadet. „Das war der größte Fehler für die britische Entwicklungszusammenarbeit“, sagte die frühere Fachberaterin des Entwicklungsausschusses im britischen Unterhaus.
Gavas bedauert vor allem den Verlust an Expertise. Viele Fachkräfte seien entlassen worden oder von sich aus gegangen. Großbritannien habe später versucht, dieses Wissen wieder aufzubauen, jedoch ohne Erfolg. „Wenn Expertise erst einmal weg ist, dann kommt sie nie wieder zurück“, sagte die CGD-Geschäftsführerin.
Im Falle Deutschlands sorgt sie sich besonders um den Erhalt der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), die für das Entwicklungsministerium einen bedeutenden Teil der Projekte umsetzt: „Deutschland ist weltweit vor allem für diese technische Expertise bekannt und geschätzt.“ Das dürfe man nicht einfach aufgeben, warnte Gavas.
Zumal solche Zusammenlegungen Untersuchungen zufolge nicht zwangsläufig dazu führten, dass Außen- und Entwicklungspolitik besser aufeinander abgestimmt sind, gab Gavas zu bedenken: „Es bleiben zwei sehr unterschiedliche Systeme: Entwicklungszusammenarbeit ist langfristig ausgerichtet, während Außenpolitik eher kurzfristig agiert.“ Auch das Argument, eine Fusion baue Bürokratie ab, lasse sich nicht belegen, betonte Gavas. Eine Zusammenlegung sei sehr kostspielig und binde die Kräfte der Mitarbeitenden für Jahre, da sie mit internen Prozessen beschäftigt seien.
Die Politikberaterin bezeichnete die angekündigten Budgetkürzungen in Großbritannien und den USA sowie die Umverteilung von Geldern zu Verteidigungsausgaben als „extrem kurzsichtig“. „Es gibt keine globale Sicherheit ohne Entwicklungszusammenarbeit“, sagte sie. Mit Entwicklungszusammenarbeit unterstütze man Länder auf ihrem Weg zum Wohlstand. Davon profitierten langfristig alle.