Berlin (epd). Ein Preisanstieg bei Schädlingsbekämpfungsmitteln führt einer Studie zufolge zu einem geringeren Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft. Dabei führe ein verringerter Einsatz nicht zu geringeren Ernten, heißt es in einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten Analyse. Diese beruht demnach auf offiziellen Absatzdaten und wurde im Auftrag von mehreren Umweltorganisationen erstellt, darunter das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft, BUND, Deutsche Umwelthilfe, Foodwatch, Greenpeace und Nabu.
Die Studie untersuchte den Angaben zufolge die Ursachen für den starken Rückgang des Absatzes an Pestiziden in Deutschland im Jahr 2023. Zudem wertete sie relevante Absatz-, Witterungs- und Nutzungsdaten der vergangenen 20 Jahre aus.
Demnach erreichten die Absatzmengen für Pestizide 2023 ein Rekordtief. In Deutschland wurden rund 20 Prozent weniger Pestizide abgesetzt. Verantwortlich dafür sei der Anstieg der Preise für Pflanzenschutzmittel um 20 Prozent im Vergleich zur Vorsaison gewesen. Andere potenzielle Einflussfaktoren für einen solchen Rückgang, wie niedrige Preise für landwirtschaftliche Produkte, Dürren oder die Ausdehnung von Brachen, hätten als Ursachen ausgeschlossen werden können.
Studienautor Lars Neumeister betonte, es gebe demnach ein erhebliches Einsparpotenzial beim Pestizideinsatz, ohne Ernten zu gefährden. Er sprach sich für die Einführung einer am Risiko für Mensch und Tiere orientierten, „risikobasierten Pestizidabgabe“ aus. Der Einsatz chemisch-synthetischer Pestizide gilt als einer der Hauptgründe für den Verlust an Biodiversität.