Erzbischof von Homs: Sorge vor islamischem Syrien

Erzbischof von Homs: Sorge vor islamischem Syrien
Vertreter der katholischen Kirche zeigen sich besorgt über die Lage der Christen im Nahen Osten. Insbesondere die jüngsten Massaker in Syrien verängstigten nationale Minderheiten. Sie fordern die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.

Kall-Steinfeld (epd). Vertreter der katholischen Kirche haben sich besorgt über die Lage der Christen im Nahen Osten gezeigt. Gemeinsam forderten sie auf der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) am Dienstag im Kloster Steinfeld im Bistum Aachen die internationale Gemeinschaft auf, die Christen in der Region besser zu schützen.

Der Erzbischof von Homs, Jacques Mourad, warnte in seinem Beitrag vor einem islamischen Syrien. Der Wunsch danach sei in der derzeitigen Führungsschicht des Landes zu spüren, sagte er. Ein rein islamisches Syrien würde der ethnischen und religiösen Vielfalt des Landes aber nicht gerecht. Nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg hatte eine Rebenkoalition unter Führung der islamistischen Miliz HTS im Dezember 2024 das diktatorische Assad-Regime gestürzt.

Die Übergangsregierung bestehe ausschließlich aus Sunniten und spiegele nicht die Pluralität Syriens wider, sagte er weiter. Mourad mahnte, dass eine gerechte, pluralistische Gesellschaft nur durch einen inklusiven politischen Prozess erreicht werden könne. Die derzeitigen Machthaber versuchten, die Scharia als Grundlage für die neue Gesetzgebung durchzusetzen. „Angesichts dieser Realität ist unsere heutige Verantwortung als Volk und Kirche groß“, sagte er.

Bischof Bertram Meier aus Augsburg ergänzte, dass die Angst der Minderheiten, erneut Opfer von Diskriminierung und Gewalt zu werden, berechtigt sei. „Seit der Machtübernahme im Dezember gab es immer wieder Vorfälle, die dazu Anlass bieten. Nicht zuletzt die jüngst bekannt gewordenen Massaker, denen insbesondere Alawiten zum Opfer gefallen sind, lassen auch bei den Christen die Alarmglocken schrillen.“ Die UN dokumentierte jüngst schwere Verbrechen während Auseinandersetzungen zwischen Streitkräften der Übergangsregierung und Anhängern des gestürzten Assad-Regimes in Syriens Küstenregion.

Sollte die Übergangsregierung ihre Versprechen nicht einlösen, werde sich die Anzahl der rund 300.000 verbliebenen Christen in Syrien weiter reduzieren, sagte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der DBK. Meier rief die UN, Europa und die Bundesregierung auf, die syrische Bevölkerung in der Übergangsphase zu unterstützen.

Der Erzbischof von Paderborn, Udo Markus Bentz, ging außerdem auf die Situation der Christen im Irak ein. „Das Christentum kann und muss in dieser Region trotz aller Bedrängnis eine Zukunft haben.“ Um die extreme Abwanderung zu stoppen, müsse der Staat die in der Verfassung verankerten Minderheitenrechte auch einhalten, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten der Kommission Weltkirche der DBK. Trotzdem bleibe er zuversichtlich, dass es für Syrien und den Irak eine bessere und stabilere Zukunft gebe. Die Christen dort gäben „ein eindrucksvolles Zeichen der Hoffnung, das auch für die Christen in unserem Land Vorbild sein kann“, sagte Bentz.

Neben weiteren Themen ist die Lage der Christen im Nahen Osten Schwerpunkt auf der Frühjahrsvollversammlung der DBK vom 10. bis zum 13. März.