TV-Tipp: "Stubbe – Familie in Gefahr"

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22. Februar, ZDF, 20.15 Uhr
TV-Tipp: "Stubbe – Familie in Gefahr"
Mit "Familie in Gefahr" geht der Kommissar, dessen offizielle Dienstzeit bereits 2014 geendet hat, nach knapp dreißig Jahren und 54 Episoden endgültig in den Ruhestand. 

Die Signale sind nicht zu übersehen. Der Opa schenkt seiner zwölfjährigen Enkelin eine mechanische Schreibmasche, die er auf dem Speicher entdeckt hat, und Tochter Christiane klagt darüber, wie sehr sich ihr Metier verändert habe: Wahrheit und Recherche seien im Journalismus nicht mehr gefragt; "Hauptsache Clicks". Den Stellenabbau kommentiert sie grimmig mit "Der Letzte macht das Licht aus." Die Lichter verlöschen nun auch für "Stubbe": Mit "Familie in Gefahr" geht der Kommissar, dessen offizielle Dienstzeit bereits 2014 geendet hat, nach knapp dreißig Jahren und 54 Episoden endgültig in den Ruhestand. 

Als "Stubbe – Von Fall zu Fall" im Herbst 1995 gestartet ist, war Wolfgang Stumph dank der Kinokomödie "Go Trabi Go" (1991) und der komischen ZDF-Serie "Salto Postale" (1993 bis 1996) längst bundesweit bekannt und beliebt; als Wilfried Stubbe wurde er zum Topstar, auch wenn diese Bezeichnung im Zusammenhang mit dem womöglich letzten deutschen Volksschauspieler seltsam klingt. Dass die Filme so gut ankamen, hatte neben dem Hauptdarsteller zwei weitere entscheidende Gründe.

Ein Aspekt war der "Alien"-Effekt: Ähnlich wie in dem Sting-Hit "Englishman in New York" ("I’m an alien, I’m a legal alien") war Wilfried Stubbe als Dresdener in Hamburg ein Fremder, was sich dank des unüberhörbaren sächsischen Akzents ohnehin nicht verbergen ließ. Anfang und Mitte der Neunziger strömten westdeutsche Beamten in den Osten, um dort für Ordnung zu sorgen; der Umzug des Polizisten die Elbe hinab war gewissermaßen antizyklisch.

Entscheidender für die große Popularität der Reihe war die persönliche Ebene. Der klassische deutsche TV-Kommissar hatte kein Privatleben; manche hatten nicht mal einen Vornamen. Stubbes Familie war jedoch von Anfang genauso wichtig wie die Ermittlungen. Ein besonderer Clou war die Besetzung von Filmtochter Christiane mit Stumphs Tochter Stephanie: "Chrissy" wurde erst zum nicht immer einfachen Teenager und schließlich zur unerschrockenen Journalistin. 

"Stubbe" war also Familienfernsehen im doppelten Sinn: Natürlich ging es um Mordfälle, aber Reihenschöpfer Peter Kahane, der die Drehbücher für die ersten acht Filme geschrieben und später diverse Folgen inszeniert hat, legte großen Wert darauf, dass die Filme die unvermeidliche Gewalt nicht auch noch zur Schau stellten. Kahane war es auch, der im zweiten "Stubbe-Special" ("Tödliche Aushilfe", 2021) die neben Vater und Tochter wichtigste Figur der letzten drei Episoden einführte: Weil der für einen Schauspieler ungewöhnlich uneitle Stumph, seit dem ersten "Special" ("Tod auf der Insel", 2018) zusätzlich als Koproduzent geführt, stets das große Ganze sieht, kann er die Bühne generös auch anderen überlassen; und das gilt nun schon zum dritten Mal vor allem für Greta Kasalo als Enkelin Caro.

Wie sich der alte Hase von dem Mädchen bereitwillig die Schau stehlen lässt, sorgt in "Familie in Gefahr" wieder für die schönsten Szenen des Films. 
Dem Titel entsprechend ist dieser Abschiedsfilm (Drehbuch: Peter Dommaschk, Ralf Leuther) ohnehin ein Ensemblewerk, bei dem auch Caros Erzeuger erstmals seit dem Ende der Reihe wieder mit von der Partie ist: Fotograf Helge Kleinert (Wanja Mues) ist anlässlich des Kindergeburtstags nach Dresden gekommen, wird jedoch, kaum hat er bei der Feier am Elbufer sein Geschenk überreicht, verhaftet.

Er soll eine alte Bekannte, bei der er vorübergehend untergekommen ist, erstochen haben. Im Handschuhfach seines Autos findet sich die Tatwaffe, in seinem Koffer das Motiv: zwanzig Päckchen Kokain. Die Frau, mutmaßt der zuständige Ermittler, hat das Rauschgift entdeckt und wollte ihn anzeigen, deshalb musste sie sterben. Das ist natürlich ein Komplott, aber keineswegs nur gegen Helge: Caro wird gemobbt, nachdem ein Video von der Verhaftung im Klassen-Chat aufgetaucht ist, Christiane wird im Netz verunglimpft, Stubbes Lebensgefährtin Marlene (Heike Trinker) verliert fast ihren Job als Kriminaltechnikerin, weil sie angeblich Beweise gegen Helge unterschlagen hat.

Der pensionierte Kommissar glaubt, dass sich jemand an ihm rächen will, und geht seine alten Fälle durch, aber der Täter hat es gar nicht auf ihn abgesehen. Die Geschichte ist durchaus fesselnd, die Inszenierung dagegen sehr beschaulich; da hat Jochen Alexander Freydank schon ganz andere und auch filmisch ungleich interessantere Krimis gedreht, zuletzt etwa Heike Makatschs beklemmendes Finale als Mainzer "Tatort"-Kommissarin ("Aus dem Dunkel", 2023). Das Zusammenspiel des ältesten und des jüngsten Ensemble-Mitglieds macht allerdings großen Spaß.