Bei einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend in der Berliner St. Matthäus-Kirche äußerten Vertreter aus Kultur und Politik zugleich Bedauern, dass die Kirche anderthalb Jahre vor dem 500. Jubiläum des Thesenanschlags durch Martin Luther (1483-1546) im Kernland der Reformation "nur eine untergeordnete Rolle in der Bevölkerung" spiele.
Dass die Entfremdung von der Kirche besonders im Osten so stark sei, liege in ihrer Unterdrückung in der ehemaligen DDR, erklärte die aus Leipzig stammende Schriftstellerin Regine Möbius. Auch die Reformation spiele nur bei den Menschen eine Rolle, die ohnehin eine enge Verbindung zur Kirche hätten. Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, Olaf Zimmermann, sieht im Jubiläum die Chance zur Erneuerung der Reformation, die kein "abgeschlossener geschichtlicher Umstand" sei. Luther habe mit seiner Bibelübersetzung einen wichtigen Anteil an der Ausbreitung der heutigen deutschen Sprache gehabt und sei mitverantwortlich für die Bildung der deutschen Nation, betonte Zimmermann.