Bahr fordert Beibehaltung des Tanzverbots

Regionalbischöfin Petra Bahr
epd-bild/Nancy Heusel
Für Petra Bahr ist der Karfreitag nicht nur ein stiller Feiertag, sondern ein Tag, der uns herausfordert, die dunklen Seiten des Lebens anzusehen.
Karfreitag
Bahr fordert Beibehaltung des Tanzverbots
Petra Bahr spricht sich für den Karfreitag als stillen Feiertag aus und verteidigt das Tanzverbot als Erinnerung an die Todesstunde Jesu. Sie fordert, den Tag nicht nur als ruhig, sondern als verstörend und herausfordernd zu erleben. Ein Appell, die Auseinandersetzung mit Leid und Angst nicht zu scheuen.

Für die Beibehaltung des Karfreitags als sogenanntem stillem Feiertag hat sich die evangelische Regionalbischöfin aus Hannover, Petra Bahr, ausgesprochen. Karfreitag feiere nicht die Stille als solche, "sondern die Todesstunde Jesu", schreibt Bahr in einem Beitrag für das Magazin "Publik-Forum" (Ausgabe vom 4. April). Die Vorsitzende des religionskritischen Bundes für Geistesfreiheit in München, Assunta Tammelleo, plädiert dagegen für die Abschaffung des Tanzverbots.

Angesichts des vielfältigen Leidens in der Welt müsste man einen stillen Feiertag erfinden, wenn es ihn nicht längst gäbe, erklärt Bahr, die dem Deutschen Ethikrat angehört. "Der Karfreitag ist still, aber nicht ruhig, nicht friedlich. Er verstört. Er fordert heraus, dort hinzusehen, wo es wehtut, auch in die eigene angstvolle Seele", schreibt die Theologin. "Vielleicht ist der Karfreitag als Zeitenwende des Christentums auch der richtige Tag für die vielen Zeitenwenden, die gerade ausgerufen werden."

Das Tanzverbot sei nicht-christlichen Menschen unzumutbar und Ausdruck eines undemokratischen Staatsverständnisses, sagte hingegen Tammelleo. "Dort, wo religiös begründete Moralvorstellungen in staatliche Gesetze für alle gegossen werden, ist nichts Gutes zu erwarten", erklärte sie.