Weimar, Berlin (epd). Gedenkstätten-Leiter Jens-Christian Wagner wirft der israelischen Regierung eine Einflussnahme auf das Gedenken an die Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau-Dora auf dem Rücken der Opfer vor. „Einem Enkel einer Holocaust-Überlebenden das Wort zu versagen, das ist wirklich das Schlimmste, was ich in 25 Jahren Gedenkstättenarbeit erlebt habe“, sagte Wagner am Donnerstagabend bei radio3 des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB).
Kurz vor dem Jahrestag der Befreiung am 11. April war die geplante Rede des deutsch-israelischen Philosophen Omri Boehm abgesagt worden. Er hätte am Sonntag auf der zentralen Gedenkveranstaltung in Weimar sprechen sollen. Die Einladung wurde zurückgezogen aufgrund eines sich anbahnenden Konflikts mit der israelischen Regierung. Boehm gilt als Kritiker der israelischen Regierung.
„Das habe ich noch nie erlebt und ehrlich gesagt, das möchte ich auch nie wieder erleben, tatsächlich gedrängt zu werden“, sagte Wagner, der Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Von Dritten werde Geschichtspolitik auf dem Rücken der Opfer betrieben. Die Gedenkstätte habe dem Druck nachgegeben, um zu verhindern, dass Überlebende in den Streit hineingezogen werden.
Die Bundesregierung äußerte sich nicht direkt zu dem Vorfall. Der stellvertretende Regierungssprecher Wolfgang Büchner betonte jedoch am Freitag in Berlin, dass die KZ- Gedenkstätten in Deutschland „unentbehrliche Lernorte gegen das Vergessen“ seien, die dafür Sorge tragen, dass das Wissen über das Schicksal der Opfer des Nationalsozialismus im Bewusstsein der Menschen wachgehalten werde. Dies setze voraus, „dass sie ihrer Arbeit in vollkommener Freiheit ohne die Bedrängung staatlicher Institutionen oder gesellschaftlicher Gruppen nachgehen können“, sagte Büchner, „Das bedeutet auch, dass die Gedenkstätten ihre Gesprächspartner frei wählen können müssen.“