Mannheim (epd). Ein Lob auf das Alter: Als ein „großes Geschenk“ hat der geschäftsführende Bundeskanzler Olaf Scholz ältere Menschen bezeichnet. Dass jeder vierte Bürger in Deutschland älter als 65 Jahre sei, werde zu oft nur als ein „riesiges Problem“ gesehen, kritisierte Scholz am Mittwoch auf dem 14. Deutschen Seniorentag in Mannheim. Bis Freitag treffen sich dort rund 15.000 Menschen zu einem dreitägigen Kongress mit dem Motto „Worauf es ankommt“.
Die Menschen müssten sich auf ihre Altersversicherung verlassen können, sagte Scholz. Das müsse auch in Zukunft so sein. Bei der Pflege- und Krankenversicherung sei jedoch mehr Solidarität nötig. Die Priorität des 21. Bundestages müsse die Altersarmut sein. Auch die Themen Digitalisierung und Mobilität müssten vorangebracht werden, wie auch die Barrierefreiheit, die keineswegs nur ältere Menschen betreffe.
Am Morgen hatte die geschäftsführende Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) den dreitägigen Kongress eröffnet. Sie sprach sich dafür aus, Vielfalt älterer Menschen positiv anzunehmen und sich gegen Stereotype und Altersvorurteile zu richten. Paus, die auch Bundesseniorenministerin ist, sagte laut Manuskript: „Älterwerden darf auch schön sein.“ Es sei eine Lebensphase mit vielfältigen Möglichkeiten und Chancen.
Die Gesellschaft habe sich in den vergangenen Jahren gewandelt, hin zu einer Gesellschaft des langen Lebens. Sie bezeichnete das Alter von 70 Jahren als „das neue 55“. Die Zahl älterer Menschen steige kontinuierlich. Als alarmierend bezeichnete es Paus, dass die Beschwerden wegen Altersdiskriminierung im Jahr 2023 um 70 Prozent gestiegen seien. Dass es in der Gesellschaft viele Vorurteile und Diskriminierungen allein aufgrund des Alters gebe, dürfe nicht hingenommen werden.
Paus kritisierte zudem, dass heute mehr Menschen von Altersarmut bedroht seien als vor zehn Jahren. Dies betreffe vor allem ältere Frauen mit Migrationshintergrund. Als Familienministerin habe sie deshalb für eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und eine gerechtere Verteilung der Sorgearbeit gekämpft.
Auch der baden-württembergische Sozialminister Manne Lucha (Grüne) bezeichnete die älter werdende Gesellschaft als Chance. „Ältere Menschen haben viele Potenziale und Ressourcen - diese müssen wir auch nutzen“, sagte Lucha laut Pressemitteilung. Notwendig sei eine Seniorenpolitik, die gleichberechtigte Teilhabe stärke, Aktivitäten und Engagement fördere und damit ein gesundes Altern in Vielfalt unterstütze.
Bis Freitag geht es in Mannheim auf mehr als 120 Veranstaltungen darum, wie man aktiv, gesund und selbstbestimmt älter werden kann.