Lampedusa, Düsseldorf (epd). Der Bürgermeister von Lampedusa, Filippo Mannino, dringt auf mehr Unterstützung für die Regionen an den EU-Außengrenzen, in denen besonders viele Flüchtlinge Europa erreichen. Das Thema müsse endlich angepackt werden, sagte der Bürgermeister der italienischen Mittelmeerinsel am Mittwoch bei einem Treffen mit NRW-Landtagsabgeordneten und Vertretern der evangelischen Kirchen in Nordrhein-Westfalen. Im vergangenen Jahr waren in Lampedusa rund 41.000 Bootsflüchtlinge registriert worden, 2023 waren es mehr als 100.000. Die Insel hat gut 6.000 Einwohner.
Die Migranten steuern überwiegend mit Booten von Schleppern das im südlichen Mittelmeer gelegene Lampedusa an, vor allem von Libyen und Tunesien aus. Die Menschen würden meist auf hoher See gerettet, sagte Bürgermeister Mannino. Die Lasten der Flüchtlingsmigration müssten zwischen allen EU-Staaten gerecht verteilt werden, einige Länder lehnten dies aber bisher ab.
„Wir brauchen langfristige Lösungen“, betonte der aus Sizilien stammende Lokalpolitiker. Es habe zwar schon viele Diskussionen zu dem Thema gegeben, passiert sei aber wenig. Die sogenannte Dublin-Regelung funktioniere nicht, nach der für das Asylverfahren das Land zuständig ist, in dem die Flüchtlinge erstmals in die EU gelangen.
Unter der jetzigen Situation leiden nach den Worten des Bürgermeisters sowohl die Bewohner als auch die Migranten. Die in Lampedusa ankommenden Flüchtlinge werden dort registriert und in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Sizilien gebracht und von dort aus in Italien verteilt. Mannino beklagte, dass Kosten für den Erhalt der Infrastruktur oder die Bestattung gestorbener Migranten von der italienischen Regierung nur mit großer Verzögerung übernommen würden. Inzwischen gebe es allerdings einen Sonderfonds für diese Ausgaben.
Die Gruppe von Abgeordneten und kirchlichen Experten aus NRW war nach Lampedusa gereist, um sich vor Ort ein Bild vom Umgang mit der Flüchtlingszuwanderung zu machen. Bis Freitag sind auch Gespräche in Rom mit dem italienischen Innenministerium und der deutschen Botschaft sowie Mitarbeitenden evangelischer und katholischer Kirchen geplant, die in der Flüchtlingsarbeit aktiv sind.