Berlin (epd). Die Zahl der erfassten Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe ist im vergangenen Jahr stark gestiegen. Die am Mittwoch in Berlin vorgestellte Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts weist für das Jahr 2024 insgesamt 13.320 Fälle aus. Das entspricht einem Anstieg von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (12.186 Fälle). Die Gewalt gegen Frauen sei besorgniserregend, sagte die geschäftsführende Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD): „Diese Zahlen müssen weitere Konsequenzen haben.“
Benötigt würden ein stärkeres Schutz- und Hilfesystem, eine effektivere Strafverfolgung der Täter und die Einführung einer elektronischen Fußfessel, damit sich mutmaßliche Täter nicht unbemerkt ihren Opfern nähern könnten, sagte Faeser. „Der Schutz von Frauen vor Gewalt muss auch für die nächste Bundesregierung eine zentrale Aufgabe sein“, forderte sie.
Insgesamt gab es der Statistik zufolge fast 43.000 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Opfer sind vor allem Frauen. Der Statistik zufolge waren 91,3 Prozent der Opfer weiblich.
Die Ermittler vermuten dem Bericht zufolge eine gestiegene Sensibilisierung und eine höhere Anzeigenbereitschaft als Ursache für den Anstieg. Möglicherweise finde eine Verschiebung vom Dunkel- ins Hellfeld statt, heißt es im Bericht. Bei sexualisierter Gewalt gehen Experten von einem großen Dunkelfeld nicht angezeigter Taten aus.
Die Zahl der Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern blieb 2024 auf ähnlichem Niveau. 16.354 Fälle wurden den Angaben zufolge registriert. Das waren 21 Fälle weniger als 2023. Einen Rückgang um 5,2 Prozent gab es bei der Verbreitung sogenannter Kinderpornografie (57.760 Fälle 2024). Im Bereich jugendpornografischer Inhalte gab es dagegen einen Anstieg um 8,5 Prozent auf 9.601 Fälle.