Berlin (epd). Der Direktor des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri, Dan Smith, äußert sich besorgt über den Aufrüstungskurs Europas. „Wir reden zu viel über Investitionen in Waffen und zu wenig über Investitionen in Diplomatie. Diplomatie ist die erste Verteidigungslinie“, sagte Smith dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Mittwoch).
Der starke Anstieg der Militärausgaben in Europa sei ein „deutliches Warnsignal für ein ungesundes und gefährliches System, in dem wir leben“, erklärte Smith. Steigende Militärausgaben trügen dazu bei, die Unsicherheit aufrechtzuerhalten, mahnte er.
Aufgrund der angespannten Sicherheitslage in Europa und dem veränderten außenpolitischen Kurs der USA hatten sich die EU-Staaten Anfang März auf eine massive Aufrüstung verständigt. Nach Plänen der EU-Kommission sollen allein in den kommenden vier Jahren insgesamt 800 Milliarden Euro mobilisiert werden.
„Wenn man viel Geld auf ein Problem wirft, löst man es dadurch nicht zwangsläufig“, sagte Smith. Die Verteidigungsausgaben sehr schnell zu erhöhen, berge Gefahren wie Ineffizienz, Verschwendung und Korruption.
Smith mahnte zudem, sicherheitspolitische Probleme jenseits der aktuellen Debatte um Russland und den US-Kurs nicht aus dem Blick zu verlieren. Die Aufmerksamkeit für die Friedenssicherung und Konfliktbewältigung in Afrika oder auch für die sicherheitspolitischen Folgen des Klimawandels habe nachgelassen: „Ich bin ziemlich besorgt über die Tendenz, dass Politiker in einer Welt mit vielen Problemen nur an eine Sache denken können, und zwar die eigene Aufrüstung.“