Düsseldorf (epd). Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Thomas Preis, hält die teilweise Legalisierung von Cannabis vor einem Jahr für einen Fehler. „Cannabis ist als Genussmittel völlig ungeeignet - insbesondere für junge Menschen unter 25 Jahren“, sagte Preis der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Mittwoch). Das ganze Ausmaß der Probleme der Cannabis-Teillegalisierung werde die Gesellschaft erst in ein paar Jahren treffen. „Die Trivialisierung des Cannabis-Konsums durch die Teillegalisierung führt zu mehr Konsum und mehr medizinischen und sozialen Problemen“, sagte er.
Preis sorgt sich zudem wegen des sprunghaften Anstiegs der Verschreibungen von medizinischem Cannabis. Die Zahlen dürften sich seinen Angaben zufolge gegenüber dem Vorjahr mehr als verdreifacht haben. Ein erheblicher Anteil daran werde den höchst umstrittenen Verordnungsplattformen im Internet zugeschrieben. „Dort wird telemedizinisch, oft nur nach Ausfüllen eines Fragebogens, das Rezept ausgestellt“, sagte er.
Der Apothekerpräsident forderte ein Verbot für telemedizinische Verordnungen von Cannabis. „Mittlerweile drängen neben Apothekerinnen und Apothekern auch Ärztekammern darauf, die telemedizinische Verordnung von Cannabis wieder abzuschaffen. Das bloße Ausfüllen eines Fragebogens darf nicht die Möglichkeit eröffnen, in den Besitz von medizinischem Cannabis zu kommen.“
Seit dem 1. April 2024 ist der Konsum von Cannabis in Deutschland legal. Erwachsene ab 18 Jahren dürfen seitdem bis zu 25 Gramm Cannabis zum eigenen Verbrauch bei sich haben und zu Hause bis zu 50 Gramm aufbewahren. Im Eigenanbau sind drei Pflanzen erlaubt. Zugleich hatte die Ampel-Regierung von SPD, Grünen und FDP das Budget für Präventionsprojekte erhöht. Die Union hatte im Wahlkampf angekündigt, die Legalisierung wieder abzuschaffen.