Emma, 13 Jahre, erinnert sich mit großer Freude an ihre Zeit als Konfirmandin und an den Jugendkirchentag 2024 der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Für sie war der Jugendkirchentag ein Erlebnis, das sie noch lange begleiten wird. Es war eine Gelegenheit, "Kirche" einmal auf eine ganz neue Weise kennenzulernen, sich von der gewohnten Gemeinde zu lösen, verschiedene Glaubenswege zu entdecken und sich in einer starken Gemeinschaft getragen zu fühlen. Ihre Erinnerung fasst sie mit den Worten zusammen: "Das macht Bock auf Gemeinschaft!"
Dieser Satz könnte die Konfirmandenzeit treffend zusammenfassen. Es geht nicht nur darum, religiöse Inhalte zu lernen und über den eigenen Glauben nachzudenken, sondern auch um das Erleben von Gemeinschaft. Gerade dieses Bedürfnis nach echten, zwischenmenschlichen Verbindungen ist es, das viele Jugendliche mit in den Konfirmandenunterricht bringen. Trotz der Veränderungen in den Lebensumständen durch Schule und soziale Medien bleibt das Bedürfnis nach echter Nähe und Gemeinschaft bei vielen Jugendlichen ungebrochen. Diese Erkenntnis ist eine wertvolle Grundlage für die Gestaltung der Konfirmandenzeit.
Doch eine zentrale Frage bleibt: Wie gelingt es, dass Jugendliche auch nach ihrer Konfirmation mit der Kirche verbunden bleiben? Viele wenden sich nach der Feier von der Gemeinde ab und beschäftigen sich zunehmend mit ihren Hobbys oder den Anforderungen der Schule. Für die "Kirche" bleibt wenig Platz – andere Dinge erscheinen ihnen wichtiger.
Die dritte bundesweite Studie zur Konfirmandenarbeit, durchgeführt von Prof. Dr. Wolfgang Ilg und seinem Team, liefert dazu interessante Erkenntnisse. Sie zeigt, dass die Konfirmandenarbeit einen bedeutenden Beitrag zur Integration von Jugendlichen in das Gemeindeleben leisten kann – vorausgesetzt, die Angebote entsprechen den individuellen Bedürfnissen der Jugendlichen und ermöglichen es ihnen, sich aktiv einzubringen. Dies fördert nicht nur ihre persönliche Entwicklung, sondern stärkt auch die Gemeinschaft innerhalb der Kirche.
Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist, dass positive Erfahrungen während der Konfirmandenzeit eine entscheidende Rolle für das Engagement der Jugendlichen spielen. Besonders dann, wenn sie durch Gruppenbetreuer:innen unterstützt werden und die Möglichkeit haben, eigene Ideen einzubringen, bleiben sie der Gemeinde langfristig verbunden. Das stärkt nicht nur die Bindung an die Kirche, sondern fördert auch das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen.
"Nicht nur Glauben, auch Zugehörigkeit"
Die Konfirmandenzeit sollte also zu einem persönlichen Erlebnis werden, das durch verschiedene Aktionen wie Übernachtungen, Ausflüge oder vielfältige Angebote bereichert wird. Menschen, die diese Zeit begleiten – sei es ehrenamtlich oder hauptberuflich – können dabei zu Schlüsselpersonen werden. Sie sind nicht nur in der Lage, den Jugendlichen den Glauben näherzubringen, sondern ihnen auch ein Gefühl der Zugehörigkeit und Perspektive zu vermitteln. So wird die Konfirmandenzeit zu einem Raum des gemeinsamen Wachstums und Experimentierens, der den Jugendlichen Halt gibt und eine Brücke zwischen der Kirche und ihrem Alltag schlägt.
Indem Jugendliche Verantwortung übernehmen und sich ehrenamtlich engagieren, wird die Konfirmandenzeit zu einem zentralen Bestandteil der Jugendarbeit in der Gemeinde. So können die klassischen Jugendgruppen durch die aktive Beteiligung der Jugendlichen auch weiterhin lebendig bleiben. Die Studie von Prof. Dr. Ilg bestätigt, dass auch ohne eine steigende Kirchenbindung viele Jugendliche in der Gemeinde aktiv bleiben und sich ehrenamtlich engagieren. Dies zeigt, dass es nicht nur die formale Kirchenbindung ist, die das Engagement beeinflusst, sondern vor allem die individuellen Interessen und Angebote der Gemeinde.
Eine Möglichkeit, die Konfirmandenzeit noch stärker an den Bedürfnissen der Jugendlichen auszurichten, liegt in der Einbindung ihrer eigenen Interessen und Lebensrealitäten. Anstatt die Jugendlichen nur mit traditionellen Inhalten zu konfrontieren, könnte der Fokus verstärkt auf den Fragen liegen, die sie aktuell bewegen – sei es im Hinblick auf den Druck durch soziale Medien oder die Suche nach eigenen Werten und Überzeugungen. Workshops oder Projekte, die nicht nur den Glauben vermitteln, sondern auch praktische Lebenskompetenzen wie den Umgang mit Konflikten, Selbstreflexion oder soziale Verantwortung fördern, könnten eine wertvolle Ergänzung sein.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Konfirmandenzeit weit mehr ist als nur eine Vorbereitung auf ein religiöses Ereignis. Sie kann zu einem entscheidenden Moment im Leben der Jugendlichen werden, wenn es gelingt, ihnen nicht nur den Glauben näherzubringen, sondern ihnen auch ein Gefühl der Zugehörigkeit und der Verantwortung zu vermitteln. Dabei spielen die begleitenden Erwachsenen – ob ehrenamtlich oder hauptberuflich – eine unverzichtbare Rolle. Sie sind die Mentor:innen, die den Jugendlichen helfen, ihre spirituelle Reise zu finden und ihren Platz in der Gemeinschaft der Kirche zu entdecken.
So wird die Konfirmandenzeit zu einem bedeutenden Erlebnis, das nicht nur den Glauben stärkt, sondern auch eine starke Gemeinschaft schafft, die über den Tag der Konfirmation hinausgetragen wird.