Die westfälische Landessynode wählt die 58-Jährige am Samstag in Dortmund zur leitenden Theologin der viertgrößten deutschen Landeskirche mit ihren rund 1,9 Millionen Mitgliedern. Die bisherige Hildesheimer Regionalbischöfin tritt die Nachfolge von Annette Kurschus an, die im November 2023 als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und als westfälische Präses zurückgetreten war. Ruck-Schröder soll das Amt am 15. Juni offiziell übernehmen.
Ruck-Schröder weiß, worauf sie sich als neue leitende Theologin der westfälischen Landeskirche mit ihren 1,9 Millionen Mitgliedern einlässt, die in massiven Finanzproblemen steckt. Nach den Turbulenzen rund um den Rücktritt ihrer Amtsvorgängerin Annette Kurschus im November 2023 hofft die viertgrößte deutsche Landeskirche, wieder in ruhiges Fahrwasser zu kommen.
Dafür hat die zugewandte und empathische neues Präses einen klaren Kompass. Das Ringen um nötige Sparmaßnahmen, effizientere Strukturen und mehr Profilierung müsse auch ein geistlicher Prozess sein, betont die bisherige Hildesheimer Regionalbischöfin. Denn der Auftrag der Kirche bleibe immer gleich: die Kommunikation des Evangeliums. Die Herausforderung sei, dies in neuen, zeitgemäßen Formen zu tun. Zudem wünsche sie sich eine einladende und offene Kirche, die junge Leute und Familien im Blick hat und über ihr Milieu hinausdenkt.
Kurz vor ihrer Wahl wandte sich die künftige Präses an ihre Vorgängerin Kurschus, die als Gast an der Wahlsynode teilnahm. Sie habe "großen Respekt vor Ihrem Schritt vor eineinhalb Jahren", sagte Ruck-Schröder. Nach dem Rücktritt ihrer Vorgängerin sei dies keine normale Wahl. Nach der Abstimmung gehört Kurschus zu den ersten Gratulantinnen.
Spitzenvertreter der Kirchen gratulieren
"In Zeiten von Krisen und Wandel sind Adelheid Ruck-Schröders Blick auf den bestehenden Reichtum kirchlichen Lebens sowie ihre Tatkraft, neue Wege zu gehen, eine bedeutende Stärke", erklärt die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs. Beides brauche die Kirche, ebenso wie Ruck-Schröders Engagement, alle Menschen in den Blick zu nehmen und auf sie zuzugehen.
"Als Präses der Schwesterkirche im Rheinland freue ich mich besonders, dass Sie nicht nur mit Westfalen, sondern auch mit dem Rheinland bereits bestens vertraut und biografisch verbunden sind", schreibt Präses Thorsten Latzel seiner Amtskollegin. Die Bestärkung "durch das wechselseitige Gespräch und den Trost unter Geschwistern" sei ihm dabei besonders wichtig. Ruck-Schröder übernehme ihr neues Leitungsamt in einer Zeit, "in der unsere Kirche und unsere Gesellschaft vor tiefgreifenden Herausforderungen stehen", sagt der hannoversche Landesbischof Ralf Meister in Hannover.
Ruck-Schröder wuchs in Baden-Württemberg auf. Nach dem Theologie-Studium in Tübingen und Berlin, wo sie promoviert wurde, sammelte sie erste Erfahrungen als Pfarrerin in der westfälischen Gemeinde Havixbeck bei Münster, nachdem sie in der westfälischen Kirche ordiniert worden war. Anschließend war sie als Berufsschulpfarrerin im Saarland tätig, später wechselte sie nach Niedersachsen in eine Göttinger Gemeinde. Bevor sie 2021 Regionalbischöfin im Sprengel Hildesheim-Göttingen wurde, leitete sie sechs Jahre lang das Predigerseminar im Kloster Loccum.
Annette Kurschus war am 20. November 2023 wegen mangelnder Kommunikation im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Missbrauchsfall in ihrem Umfeld von ihren kirchenleitenden Ämtern zurückgetreten. Seither war das Präses-Amt vakant. Eine für den vergangenen November geplante Neuwahl wurde verschoben, nachdem der einzige Bewerber, der Herforder Pfarrer Michael Krause, seine Kandidatur zurückgezogen hatte.