EU-Kommissar: US-Klimapolitik ist "ein Problem für alle anderen"

EU-Kommissar: US-Klimapolitik ist "ein Problem für alle anderen"

München (epd). Der EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra hält es für unwahrscheinlich, dass andere Staaten nach dem Vorbild der USA aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigen. Seinem Eindruck zufolge sei sich die „große, große Mehrzahl der Regierungen“ überall auf der Welt der Tatsache bewusst, dass es den Klimawandel gibt, dass er menschengemacht ist und zerstörerische Folgen haben wird, sagte Hoekstra der „Süddeutschen Zeitung“ (Mittwoch).

„Diese Realität verschwindet nicht, nur weil einige den Kopf in den Sand stecken und die Tatsachen ignorieren. Man kann das probieren, aber danach ist die Realität immer noch da“, sagte der Niederländer und fügte hinzu: „Das Problem ist: Man kann sich rausziehen, ohne dass einen die Effekte des Klimawandels viel härter treffen als andere. Klimaschutz ist und bleibt ein Teamsport.“

Hoekstra nannte den Schritt der USA „wirklich unglücklich“. „Das heißt, dass die größte geopolitische Macht, die größte Wirtschaftsmacht und der zweitgrößte Treibhausgasemittent der Welt faktisch sagt: Nein, danke. Das ist ein Problem für alle anderen“, sagte der EU-Kommissar. Das zeige, dass Treffen wie der am Mittwoch in Berlin zu Ende gehende zweitägige Petersberger Klimadialog immer wichtiger werden.

Bei Klimadialog, der der Vorbereitung der nächsten UN-Klimakonferenz in Brasilien dient, sind Vertreterinnen und Vertreter aus rund 40 Staaten zusammengekommen. Eine Delegation aus den USA ist nicht darunter. Die Staatengemeinschaft hatte sich im Pariser Klimaabkommen darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst sogar auf 1,5 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Die UN-Klimakonferenz wird vom 10. bis 21. November von Brasilien in der Amazonasmetropole Belém ausgerichtet. Am Mittwoch werden Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) auf dem Petersberger Klimadialog erwartet, die nach der Konstituierung des Bundestags am Dienstag nur noch geschäftsführend im Amt sind.