Mexiko-Stadt (epd). Angehörige von gewaltsam verschwundenen Menschen haben in Mexiko bei Mahnwachen landesweit Aufklärung gefordert. In über 20 Städten stellten sie am Samstag (Ortszeit) die Schuhe ihrer vermissten Familienmitglieder auf die zentralen Plätze und zündeten Kerzen an, wie der Nachrichtensender NMás berichtete. Auslöser war der Fund eines Todeslagers von Drogenbanden mit menschlichen Überresten in Krematorien auf einer Ranch in der Gemeinde Teuchitlán im westlichen Bundesstaat Jalisco.
Im Trainingscamp der Ranch töteten Drogenbanden vermutlich zahlreiche Personen, die zuvor zwangsrekrutiert worden waren. Das Angehörigenkollektiv „Guerreros Buscadores de Jalisco“ hatte die Verbrennungsöfen in der vergangenen Woche nach einem anonymen Hinweis gefunden. Den 55 Kilometer von Jaliscos Hauptstadt Guadalajara entfernten Mafia-Hof beschlagnahmten die Behörden zwar schon im September 2024. Hinweise auf verbrannte Leichen fanden sie jedoch angeblich keine.
Für das mexikanische Menschenrechtsnetzwerk Red TDT stellt Teuchitlán „das Entsetzen und den Terror“ dar, den die Familien von landesweit über 120.000 Verschwundenen erleiden. Das Netzwerk fordert eine restlose Aufklärung der Verbrechen. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum bat inzwischen die Generalstaatsanwaltschaft, die Ermittlungen zur Ranch von den lokalen Untersuchungsbehörden zu übernehmen.