Wiesbaden (epd). Der sogenannte Gender Gap Arbeitsmarkt ist im vergangenen Jahr nach Zahlen des Statistischen Bundesamts vom Donnerstag zurückgegangen. Dieser Wert, der neben der Verdienstlücke pro Arbeitsstunde auch die Unterschiede in der bezahlten monatlichen Arbeitszeit einbezieht, sei 2024 im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozentpunkte auf 37 Prozent gesunken, teilte das Bundesamt anlässlich des Equal Pay Day (7. März) mit. Die Arbeiterwohlfahrt forderte die Bundesregierung auf, Frauen- und Gleichstellungspolitik zur Priorität zu machen. Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung forderte, Männer müssten mehr Sorgearbeit leisten.
Vor zehn Jahren habe der Gender Gap Arbeitsmarkt noch bei 45 Prozent gelegen, teilte das Statistische Bundesamt weiter mit. Eine wesentliche Ursache für die Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern sei die höhere Teilzeitquote von Frauen, teilte die Statistikbehörde mit. So seien Männer 2024 im Monat 149 Stunden einer bezahlten Arbeit nachgegangen, bei Frauen seien es nur 122 Stunden gewesen. Damit brachten Frauen wie im Vorjahr 18 Prozent weniger Zeit für bezahlte Arbeit auf als Männer (Gender Hours Gap).
Der Stundenverdienst von Frauen habe 2024 im Schnitt 16 Prozent unter dem von Männern gelegen (Gender Pay Gap). Auch in der Erwerbsbeteiligung gebe es Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Zahlen zur Erwerbstätigkeit aus dem Jahr 2023 zeigten, dass 73,6 Prozent aller Frauen einer bezahlten Arbeit nachgingen. Bei den Männern seien es 80,8 Prozent. Der Gender Employment Gap habe damit wie bereits im Vorjahr bei 9 Prozent gelegen. Aus diesen drei Gender Gaps wird der Gender Gap Arbeitsmarkt berechnet.
Die Präsidentin der Arbeiterwohlfahrt, Kathrin Sonnenholzner, bezeichnete die wirtschaftliche Benachteiligung von Frauen als „eine der großen Hürden für Gleichstellung“. Um Geschlechtergerechtigkeit durchzusetzen, brauche es „den klaren politischen Willen“. Wer über Frauenrechte spreche, müsse auch über faire Löhne, gerechte Verteilung und finanzielle Absicherung von Sorgearbeit sowie eine Reform der Steuer- und Sozialpolitik sprechen. Steuerliche Fehlanreize wie das Ehegattensplitting festigten tradierte Rollenbilder.
Die Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch, nannte als Ursache für die Verdienstunterschiede die ungleiche Verteilung von Sorge- und Erwerbsarbeit zwischen den Geschlechtern. Sorgearbeit bestehe nicht nur aus Kinderbetreuung, sondern auch aus Pflege, Kochen, Putzen, Einkaufen. Daher werde ein Ausbau von Kinderbetreuung nicht zu einer ausreichenden Entlastung von Frauen führen. Es brauche Anreize für eine faire Verteilung der Sorgearbeit, etwa bei der Ausgestaltung des Elterngelds.