Mehr geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in Arbeit

Mehr geflüchtete Ukrainerinnen und Ukrainer in Arbeit

Wiesbaden (epd). Im vierten Quartal des vergangenen Jahres sind rund 43 Prozent der schutzsuchenden Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland erwerbstätig gewesen. „Im Frühjahr 2024 lag der Vergleichswert noch bei 30 Prozent und im Sommer 2022 bei 16 Prozent“, teilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) auf Grundlage eigener Berechnungen am Montag in Wiesbaden mit. Die Übergangsraten in die Erwerbstätigkeit hätten sich demnach im dritten Jahr des Aufenthalts geflüchteter Ukrainerinnen und Ukrainer in Deutschland gegenüber den ersten beiden Jahren spürbar erhöht. Vor drei Jahren, am 24. Februar 2022, begann Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Die Daten des BiB basieren den Angaben zufolge auf einer neuen Befragung im Rahmen einer Studie, die seit Kriegsbeginn zweimal jährlich die immer gleichen ukrainischen Geflüchteten zu ihrer Lebenssituation in Deutschland befragt. An der mittlerweile fünften Erhebung haben zwischen Ende Oktober und Dezember 2024 insgesamt 2.700 Personen teilgenommen. Die Daten sind hochgerechnet, gewichtet und repräsentativ.

Aus den aktuellen Ergebnissen geht hervor, dass zunehmend mehr Schutzsuchende in den Arbeitsmarkt gelangen, die bislang aufgrund der Teilnahme an Sprachkursen nicht erwerbstätig sein konnten. Unter den bisher noch nicht erwerbstätigen Ukrainerinnen und Ukrainern zeigt sich außerdem eine weiterhin hohe Bereitschaft zur Arbeitsaufnahme: „Rund 24 Prozent von ihnen geben an, sofort eine Beschäftigung aufnehmen zu wollen, weitere 45 Prozent streben dies innerhalb der nächsten zwölf Monate an“, wie Studienleiter Andreas Ette sagte.

Eine Herausforderung bleibe aber das häufig erforderliche Sprachniveau. „Zwar haben etwa drei Viertel der Schutzsuchenden aus der Ukraine mindestens einen Sprachkurs abgeschlossen, aber erst 27 Prozent haben das für viele Berufe erforderliche Sprachniveau B2 bescheinigt bekommen“, teilte das BiB mit.

Darüber hinaus würden mit 57 Prozent mehr als die Hälfte der ukrainischen Frauen mit Kindern die elterliche Sorge ihrer Minderjährigen in Deutschland alleine wahrnehmen. Zwischen Vätern und Müttern gebe es einen deutlichen Unterschied in der Erwerbstätigkeit: Fast zwei Drittel der Väter (63 Prozent), die mit Kindern unter sechs Jahren im Haushalt leben, seien erwerbstätig. Bei Müttern sei es mit 23 Prozent nicht einmal jede Vierte. „Sobald der Sorgeaufwand für die Kinder sinkt, reduziert sich der Abstand zwischen den Geschlechtern: Väter mit Kindern zwischen 6 und 18 Jahren sind zu 57 Prozent erwerbstätig, bei Frauen sind es 46 Prozent.“