Bericht: 1.400 ukrainische Ärzte warten auf deutsche Approbation

Bericht: 1.400 ukrainische Ärzte warten auf deutsche Approbation
In Deutschland haben mehr als 1.600 ukrainische Ärzte eine Approbation beantragt, 1.400 warten noch auf die Bearbeitung. Ärztevertreter üben Kritik an den Bürokratiehürden, Patientenschützer warnen vor voreiligen Schlüssen.

Berlin (epd). Rund 1.400 ukrainische Ärzte warten in Deutschland auf die berufliche Zulassung. Das geht aus einer Umfrage der „Welt am Sonntag“ (Samstag, online) unter den zuständigen Ämtern in den Bundesländern hervor. Demnach hätten seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 mindestens 1.674 geflüchtete ukrainische Ärzte einen Antrag auf Approbation gestellt, damit sie in Deutschland Patienten behandeln dürfen. Lediglich 187 Anträge wurden laut dem Bericht bisher bewilligt. 1.402 befänden sich noch in Bearbeitung.

Die Zahlen basieren auf Rückmeldungen aus 14 Bundesländern, lediglich Bremen und Hessen konnten demnach keine vollständigen Daten liefern. Laut dem Bericht vergehen zwischen der Antragstellung und der Bewilligung in der Regel 15 Monate bis hin zu drei Jahre.

„Diese Bilanz ist verheerend“, sagte der Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, der Zeitung. „Fachkräfte im Bürgergeld-Bezug zu belassen, statt sie dort einzusetzen, wo sie dringend gebraucht werden und auch arbeiten wollen, können wir uns schlicht nicht mehr leisten.“ Benötigt werde jetzt „eine echte Entbürokratisierungsoffensive“, forderte er.

Auch die Vorsitzende der Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, sagte, was viele ausländische Ärzte in Deutschland erlebten, sei frustrierend. „Schuld an der Misere sind vor allem bürokratische Hürden und personell ausgezehrte Landesbehörden“, sagte Johna der Zeitung.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warte aber vor voreiligen Schlüssen. Allein in deutschen Krankenhäusern arbeiteten fast 210.000 Ärztinnen und Ärzte. Das sei eine Zunahme von neun Prozent im Fünfjahresvergleich. Vor diesem Hintergrund sei die Zahl von 1.400 ukrainischen Medizinern, die auf eine Zulassung warten, eher gering, sagte Brysch dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Samstag.

Auch dürfe nicht vergessen werden, dass die Fachkräfte zunächst das geforderte Sprachniveau erreichen müssten. „Zudem muss die Frage erlaubt sein, ob die Talentabwanderung aus unterversorgten Krisengebieten eine Strategie des deutschen Gesundheitssystem sein darf“, mahnte Brysch.