Özdemir zu Islamverbände: "Erschreckend hohes Maß an Unkenntnis"

Özdemir zu Islamverbände: "Erschreckend hohes Maß an Unkenntnis"

Berlin (epd). Der amtierende Bundesbildungsminister Cem Özdemir (Grüne) hat der deutschen Politik im Umgang mit Islamverbänden Unkenntnis vorgeworfen. Mit Blick auf Träger islamischen Religionsunterrichts in Schulen wie auch auf die Deutsche Islamkonferenz sagte Özdemir im Berliner „Tagesspiegel“ (Donnerstag), „da werden häufig die völlig falschen Leute hofiert und jeder Minister erfindet das Rad neu“.

Um konfessionellen Religionsunterricht anzubieten, müssten bei den Religionsgemeinschaften die Voraussetzungen erfüllt sein, betonte der erste Bundesminister mit türkischen Wurzeln: „Es wird breit darüber hinweggesehen, wenn das nicht der Fall ist, man lässt sich beim islamischen Religionsunterricht fast schon dankbar hinter die Fichte führen und von wertlosen Bekundungen überzeugen.“

Özdemir erklärte, zwar würden mittlerweile mehr Imame auf Deutsch unterrichten und predigen sowie in Deutschland ausgebildet werden: „Aber das Problem ist nicht die Sprache. Das Problem ist der Inhalt. Einige der schlimmsten islamistischen Prediger predigen auf Deutsch.“ Für die Politik reiche es aber aus, dass auf Deutsch gepredigt werde, „das Problem ist gelöst, nächstes Thema bitte“.

„Ich könnte verzweifeln über dieses erschreckend hohe Maß an Unkenntnis“, fügte Özdemir hinzu. Dabei erinnerte er daran, dass er sich bereits 2015 gegen die Anerkennung der islamischen Dachverbände ausgesprochen hatte, „die überwiegend aus dem Ausland ferngelenkt werden“. Als Beispiel nannte er die Türkisch-islamische Union Ditib. Der Verband wird von der türkischen Regierung kontrolliert.