Bremen (epd). Der Bremer Epidemiologe Hajo Zeeb rechnet nach dem Ausstieg der USA aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit verheerenden Folgen. „Das ist kein geordneter Rückzug, das ist ein Katastrophenszenario mit Verboten und Einschüchterungen“, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Ich kann mir kaum etwas anderes vorstellen, als dass die WHO sich auf ihre Kernbereiche zurückziehen muss.“
US-Präsident Donald Trump hatte an seinem ersten Amtstag angekündigt, sämtliche Zahlungen an die Organisation mit sofortiger Wirkung einzustellen und eine Vielzahl der US-amerikanischen Mitarbeiter abzuziehen. Zeeb leitet die Abteilung „Prävention und Evaluation“ am Bremer Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie. Das Institut arbeitet eng mit der WHO zusammen, ist aber von ihr unabhängig.
„Selbst ohne alle Auswirkungen zu kennen, ist klar, dass die WHO in ihrer vielfältigen Funktionalität auf allen Ebenen betroffen sein wird“, sagte Zeeb. Die Weltgesundheitsorganisation sorge neben internationalen Impfkampagnen und Gesundheitsprogrammen auch für einen steten globalen Informationsfluss im Hinblick auf medizinische Forschung und Pandemie-Prävention.
Die Themen Gesundheit von Beschäftigten oder Geflüchteten könnten anderen Organisationen übernehmen. Die Pandemie-Prävention dürfte aufgrund ihrer globalen Relevanz aber weiterhin ein zentrales Thema sein.
Zeeb betonte, eine Weltgesundheitsorganisation, wie sie heute existiere, sei ohne die Beteiligung der USA nicht vorstellbar. Die Vereinigten Staaten gehören zu den Initiatoren des Bündnisses und stemmen als größter Geldgeber bislang rund 20 Prozent des Finanzbedarfs. Damit hätten sie „die Macht, die WHO ganz stark zu derangieren“, sagte der Gesundheitswissenschaftler.
Während die Organisation inzwischen aktiv dabei sei, ihre laufenden Kosten zu reduzieren, müsse jetzt geschaut werden, wie die Lücke gestopft werden könne. „Es sollte möglichst bald eine klare Diskussion zur Zukunft und Unterstützung der WHO geführt werden“, unterstrich Zeeb. Deutschland und die EU könnten „einen Teil des Dramas auffangen“ und „Gesundheit als ein Politikfeld sehen, bei dem man international wirken kann“.