Neue Gewaltwelle gefährdet Friedensprozess in Kolumbien

Neue Gewaltwelle gefährdet Friedensprozess in Kolumbien

Berlin, Bogotá (epd). Eine Gewaltwelle im Norden Kolumbiens hat den Friedensverhandlungen einen schweren Rückschlag versetzt. Innerhalb eines Tages wurden vier Männer in der Region Catatumbo im Distrikt Norte de Santander ermordet, wie die Tageszeitung „El Tiempo“ am Donnerstag (Ortszeit) berichtete. Laut Informationen des Friedensforschungsinstitutes Indepaz soll es sich bei allen Ermordeten um ehemalige Kämpfer der Farc-Guerilla handeln, die einen Friedensvertrag mit der Regierung unterzeichnet haben. Für die Morde verantwortlich gemacht wird laut der Zeitung die ELN-Guerilla, die in dem Gebiet an der Grenze zu Venezuela aktiv ist.

Die Eskalation der Gewalt gefährdet die Verhandlungen über einen Waffenstillstand, die Vertreter der Regierung von Präsident Gustavo Petro mit Abgesandten der Farc-Splittergruppe Estado Mayor de Bloques y Frente (EMBF) führen. Der Leiter des Verhandlungsteams der Regierung, Camilo González Posso, sprach laut „El Tiempo“ von einem Angriff gegen den Friedensprozess und die Menschen, die sich dafür einsetzen. Auch er machte die ELN für die Morde verantwortlich.

Präsident Petro, der selbst einst Mitglied der früheren Stadtguerilla M-19 war, hat bei Amtsantritt im Jahr 2022 versprochen, Verhandlungen mit allen bewaffneten Gruppen des Landes aufzunehmen, um einen umfassenden Frieden zu erreichen. Die Friedensgespräche mit der ELN liegen auf Eis. Sie verfügt laut Schätzungen über rund 3.000 Kämpfer.

Der Distrikt Norte de Santander grenzt im Osten an Venezuela und gilt als Rückzugsgebiet für die ELN-Guerilla. In der Bergregion war vorher auch die Farc aktiv, die 2016 einen Friedensvertrag mit der Regierung schloss und sich danach in eine politische Partei umgewandelt hat. Die größte Farc-Dissidentengruppe, die die Waffen nicht abgelegt hat, ist Estado Mayor. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe mehre Tausend Kämpfer. Eine Abspaltung ist die Gruppe Estado Mayor de los Bloques y Frente (EMBF), die mit der Regierung weiterhin Friedensverhandlungen führt.

Bei dem seit den 1960er Jahren andauernden Bürgerkrieg in Kolumbien zwischen staatlichen Kräften, linken Guerillagruppen und rechten Paramilitärs wurden mehr als 260.000 Menschen getötet, etwa sieben Millionen wurden vertrieben. Etwa 80.000 Kolumbianer gelten als vermisst.