Frankfurt a.M. (epd). Bundesweit sind am Montagabend mehrere zehntausend Menschen auf die Straße gegangen, um gegen die Corona-Schutzmaßnahmen zu protestieren. Bei den teils unangemeldeten Veranstaltungen schritt die Polizei eigenen Angaben zufolge meist dann ein, wenn sich entgegen der Corona-Auflagen Aufmärsche formierten, Abstände nicht eingehalten wurden und die Teilnehmenden keinen Mund-Nasen-Schutz trugen. Unter anderem in Magdeburg, Rostock, Fulda und im sächsischen Lichtenstein kam es zu tätlichen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestierenden.
In der zwischen Chemnitz und Zwickau gelegenen Kleinstadt Lichtenstein hatten sich laut Polizei 200 Menschen zu einem Aufmarsch formiert. Etwa 60 gewaltbereite Personen seien separiert worden, um deren Identitäten festzustellen. Diese hätten mehrfach versucht, Absperrungen zu durchbrechen, und Beamte massiv angegriffen. Darüber hinaus hätten Teilnehmende Reizstoffe versprüht.
Eine Person habe versucht, einem Beamten die Dienstwaffe zu entreißen, und ein Polizist eine Bissverletzung erlitten. Insgesamt seien 14 Einsatzkräfte verletzt worden. Die Polizei habe Pfefferspray eingesetzt, es seien Anzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung und des tätlichen Angriffs auf einen Vollstreckungsbeamten erstattet worden.
Auch in zahlreichen weiteren sächsischen Städten gab es am Montagabend Proteste. Allein in Dresden gingen laut Polizei rund 1.400 Menschen auf die Straße. In Freiberg hätten Protestierende eine Polizeikette durchbrochen, ein Mann sei vorläufig festgenommen und ein Verfahren wegen Landfriedensbruchs eröffnet worden.
In Magdeburg waren nach Angaben der Polizei rund 2.500 Menschen Aufrufen zum Protest gefolgt. Einzelne hätten versucht, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen, es sei Pyrotechnik gezündet und eine Flasche in Richtung der Einsatzkräfte geworfen worden. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein. Gegen neun Tatverdächtige wird wegen Körperverletzung, Landfriedensbruch und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Eine Person sei nach einem tätlichen Angriff auf Polizeibeamte vorläufig festgenommen worden.
Auch in Rostock in Mecklenburg-Vorpommern, wo bis zu 4.000 Menschen protestierten, setzte die Polizei Schlagstöcke ein. Erneut hätten auch rechte Gruppierungen sowie gewaltbereite Fußballanhänger an dem Protest teilgenommen, hieß es vonseiten der Polizei.
Im hessischen Fulda griff ein 35-jähriger Mann einen Polizeibeamten an, der zur Abwehr Pfefferspray eingesetzt hatte, wie das Polizeipräsidium Osthessen mitteilte. Der Beamte habe leichte Verletzungen am Arm erlitten, der Angreifer sei vorläufig festgenommen worden. Ihn erwarte nun ein Strafverfahren unter anderem wegen des Widerstands gegen Polizeivollzugsbeamte und des Verdachts des Landfriedensbruchs. Neben Fulda kam es auch in zahlreichen weiteren hessischen Städten zu unangemeldeten Protesten.
Für Thüringen meldete die Polizei Proteste mit mehr als 17.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter anderem in Erfurt, Gera, Ilmenau, Jena, Nordhausen, Saalfeld und Meiningen. In Sömmerda habe sich eine Gruppe von rund 50 Menschen polizeilichen Maßnahmen widersetzt, es seien Pfefferspray eingesetzt und Platzverweise ausgesprochen worden. In Gera seien „Einzelpersonen aus der rechten Szene“ unter den Demonstrierenden gewesen.
Die bayerische Polizei meldete größere Veranstaltungen in Nürnberg mit rund 4.200, in Ulm/Neu-Ulm mit etwa 1.500 und in Ansbach mit rund 1.200 Teilnehmenden. Die rheinland-pfälzische Polizei verzeichnete ebenfalls zahlreiche Demonstrationen, die überwiegend nicht angemeldet waren: Mit rund 1.500 Teilnehmern fand der größte sogenannte „Montagsspaziergang“ in Koblenz statt.
Zu Protesten mit Tausenden Menschen kam es auch in Niedersachsen. Bei den zumeist nicht angemeldeten Versammlungen ermahnte die Polizei nach eigenen Angaben die Demonstranten immer wieder zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und zum Einhalten anderer Regeln zum Pandemieschutz. Allein in Hannover wurden mehr als 150 Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet. Mehrere Personen leisteten körperlichen Widerstand.
In Mannheim in Baden-Württemberg protestierten laut Polizei etwa 500 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen. Bis zu 850 Menschen wiederum hätten eine Menschenkette gebildet, um für mehr Solidarität in der aktuellen Lage zu werben.
Vor dem ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin skandierten Demonstranten laut Augenzeugen wiederholt „Lügenpresse“. Auch aus Brandenburg und Nordrhein-Westfalen und meldete die Polizei Proteste.