Krieg im Sudan: 16 Millionen Kinder auf Hilfe angewiesen

Krieg im Sudan: 16 Millionen Kinder auf Hilfe angewiesen
Seit fast zwei Jahren herrscht Krieg im Sudan. Unter den Folgen der Gewalt leiden laut dem UN-Hilfswerk Unicef Millionen von Kindern. In einem Flüchtlingscamp in der Darfur-Region droht Tausenden Familien der Hungertod.

Berlin, Genf (epd). Im Sudan leiden laut dem UN-Hilfswerk Unicef Millionen von Kindern unter den Folgen des seit fast zwei Jahren andauernden Krieges. Essensmangel, Gewalt und Vertreibung zerstörten das Leben der Mädchen und Jungen, sagte die Unicef-Nothilfedirektorin Lucia Elmi am Freitag in Genf. In der westlichen Darfur-Region bedrohen die Kämpfe die Versorgung von Hunderttausenden Menschen in einem Flüchtlingscamp.

Insgesamt sind laut Unicef-Nothilfedirektorin Elmi in dem nordostafrikanischen Land mehr als 16 Millionen Kinder dringend auf Hilfe von außen angewiesen. Es werde erwartet, dass 2025 landesweit 3,2 Millionen Kinder unter fünf Jahren von akuter Unterernährung betroffen sein werden.

Darunter seien 770.000 Mädchen und Jungen, die an „schwerer akuter Unterernährung“ litten. Dabei handele es sich um die tödlichste Form des Hungers, bei der die Wahrscheinlichkeit, an einer Krankheit zu sterben, sehr hoch sei.

Der seit fast zwei Jahren andauernde Konflikt zwischen Armee und Milizen bedrohe die Kinder direkt. Mädchen und Jungen würden getötet, verstümmelt und vertrieben, sagte die Unicef-Direktorin, die sich mehrere Tage im Sudan aufhielt.

Im Sudan herrscht seit dem 15. April 2023 ein brutaler Krieg zwischen der regulären Armee und der paramilitärischen RSF-Miliz („Rapid Support Forces“). Die landesweiten Kämpfe haben eine der größten humanitären Krisen der jüngeren Vergangenheit ausgelöst. Nach UN-Angaben leiden fast 25 Millionen Menschen unter akutem Hunger, etwa die Hälfte der Bevölkerung.

Zuletzt verschärfte sich die Krise auch für Hunderttausende Menschen im Samsam-Flüchtlingscamp in der westlichen Darfur-Region. Für das Lager, in dem schätzungsweise 500.000 Menschen Zuflucht gefunden haben, war bereits vergangenes Jahr eine Hungersnot ausgerufen worden - die gravierendste Stufe einer Hungerkrise. Nun schlug das UN-Welternährungsprogramm aufgrund eines seit Monaten andauernden Versorgungsstopps abermals Alarm. „Wenn wir jetzt keinen Zugang bekommen, droht Tausenden Familien in den nächsten Wochen der Hungertod“, sagte WFP-Sprecher Martin Rentsch dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Das WFP könne derzeit keine Nahrungsmittel in das Lager bringen - „es ist einfach zu gefährlich“. Der bisher letzte Konvoi des Welternährungsprogramms habe es im November nach Samsam geschafft, seitdem verhinderten Gewalt und gezielte Blockaden jede weitere Lieferung, sagte Rentsch und rief alle Konfliktparteien auf, humanitären Organisationen unverzüglich sicheren Zugang zu gewähren.

Das Flüchtlingscamp Samsam liegt in der Nähe von Al-Faschir, der Hauptstadt des Bundesstaates Nord-Dafur. Nach Schätzungen des UN-Welternährungsprogramms haben etwa 500.000 Menschen in dem Lager Zuflucht gefunden. Die Kinderrechtsorganisation „Save the Children“ warnte jüngst ebenfalls, dass die Lebensmittel und Medikamente in dem Camp ausgehen.